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Letzte Unterweisung in Pella

3. Der Reiche und der Bettler

169:3.1

Als die Versammlung zu laut wurde, stand Simon Petrus auf und nahm die Sache in die Hand, indem er sagte: „Männer und Brüder, es ist nicht schicklich, so miteinander zu streiten. Der Meister hat gesprochen, und ihr tut gut daran, über seine Worte nachzudenken. Was er euch verkündet hat, ist keine neue Lehre. Habt ihr das Gleichnis der Nasiräer vom Reichen und vom Bettler nicht auch schon gehört? Einige von uns haben Johannes den Täufer mit diesem warnenden Gleichnis gegen jene donnern hören, die den Reichtum lieben und nach unrechtmäßig erworbenen Gütern trachten. Und obwohl dieses alte Gleichnis nicht gemäß dem Evangelium ist, das wir verkünden, würdet ihr alle guttun, seine Lehre zu beherzigen, bis die Zeit kommt, da ihr das neue Licht des Königreichs des Himmels begreift. Und dies ist die Geschichte, wie Johannes sie erzählte:

169:3.2

Es gab da einen reichen Mann, Dives mit Namen, der sich in Purpur und feines Linnen kleidete und jeden Tag herrlich und in Freuden lebte. Und da war auch ein Bettler, der Lazarus hieß und vor der Pforte des reichen Mannes lag. Er war mit Wunden übersät und bat darum, sich von den Krumen ernähren zu dürfen, die von des reichen Mannes Tisch fielen; ja, sogar die Hunde kamen und leckten seine Wunden. Und es begab sich, dass der Bettler starb und die Engel ihn zur Ruhe in Abrahams Schoß hinwegtrugen. Und bald darauf verstarb auch der Reiche und wurde mit großem Pomp und fürstlicher Pracht beigesetzt. Nach seinem Hinschied aus dieser Welt erwachte der Reiche im Hades, wo er Qualen litt. Als er aufblickte, sah er in der Ferne Abraham und in seinem Schoß Lazarus. Da rief Dives mit lauter Stimme: ‚Vater Abraham, erbarme dich meiner und schicke mir Lazarus herüber, damit er seine Fingerspitze ins Wasser tauche, um meine Zunge zu kühlen, denn ich bin wegen meiner Bestrafung in großer Pein.‘ Da antwortete Abraham: ‚Mein Sohn, du solltest dich zurückerinnern, dass du dich zu Lebzeiten ebenso sehr der guten Dinge erfreutest, wie Lazarus Schlimmes erlitt. Aber jetzt ist alles anders, denn Lazarus wird getröstet, während du gepeinigt wirst. Und zudem liegt zwischen uns und dir ein großer Abgrund, so dass wir weder zu dir gelangen können, noch du zu uns.‘ Da sprach Dives zu Abraham: ‚Ich bitte dich, Lazarus zum Haus meines Vaters zurückzuschicken, zumal ich noch fünf Brüder habe, und vor ihnen Zeugnis abzulegen, damit nicht auch sie an diesen Ort der Qual gelangen.‘ Abraham jedoch sprach: ‚Mein Sohn, sie haben Moses und die Propheten; mögen sie auf diese hören.‘ Und Dives antwortete: ‚Nein, nein, Vater Abraham! Nur wenn einer aus dem Totenreich zu ihnen kommt, werden sie Buße tun.‘ Da sagte Abraham: ‚Wenn sie nicht auf Moses und die Propheten hören, wird auch ein von den Toten Auferstandener sie nicht überzeugen.‘“

169:3.3

Nachdem Petrus dieses alte Gleichnis der Bruderschaft der Nasiräer erzählt und sich die Menge wieder beruhigt hatte, erhob sich Andreas und entließ die Leute für die Nacht. Obgleich sowohl die Apostel wie seine Jünger Jesus oft Fragen zum Gleichnis von Dives und Lazarus stellten, fand er sich nie zu einem Kommentar bereit.


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