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Ausbildung der Botschafter des Königreichs

NACH der Predigt über „das Königreich“ rief Jesus die sechs Apostel an jenem Nachmittag zusammen und begann, ihnen seine Pläne für den Besuch der am Galiläischen Meer und in dessen weiteren Umgebung gelegenen Städte darzulegen. Seine Brüder Jakobus und Jude waren zutiefst verletzt, weil sie zu dieser Besprechung nicht eingeladen worden waren. Bis dahin hatten sie sich als dem inneren Kreis von Jesu Mitarbeitern zugehörig betrachtet. Aber Jesus wollte keine engen Verwandten unter den Mitgliedern des Korps apostolischer Leiter des Königreichs haben. Dieser Ausschluss von Jakobus und Jude von den wenigen Auserwählten zusammen mit seiner scheinbaren Reserviertheit gegenüber seiner Mutter seit den Ereignissen von Kana war der Beginn einer sich immer mehr vertiefenden Kluft zwischen Jesus und seiner Familie. Diese Situation dauerte während seiner ganzen öffentlichen Laufbahn an – seine Angehörigen waren nahe daran, sich von ihm loszusagen – und erst nach Jesu Tod und Auferstehung waren diese Missverständnisse beseitigt. Seine Mutter schwankte ständig zwischen Glauben und Hoffnung sowie wachsenden Gefühlen der Enttäuschung, Demütigung und Verzweiflung. Nur Ruth, die jüngste, blieb ihrem Vater-Bruder unerschütterlich treu.

138:0.2

Bis nach seiner Auferstehung nahm Jesu ganze Familie kaum Anteil an seinem Wirken. Ein Prophet wird überall geehrt außer in seinem eigenen Land, und man schätzt und versteht ihn, außer in seiner eigenen Familie.

1. Letzte Anweisungen

138:1.1

Anderntags, am Sonntag, dem 23. Juni 26 n. Chr. gab Jesus den Sechs die letzten Anweisungen. Er bestimmte, dass sie immer zu zweit ausziehen sollten, um die gute Nachricht vom Königreich zu lehren. Er verbot ihnen zu taufen und gab ihnen den Rat, nicht öffentlich zu predigen. Er erklärte ihnen, dass er ihnen später öffentliches Predigen erlauben würde. Aus vielen Gründen wünsche er aber, dass sie vorerst einmal im persönlichen Umgang mit ihren Mitmenschen praktische Erfahrung sammelten. Jesus sah vor, dass ihre erste Rundreise ausschließlich eine Angelegenheit persönlicher Arbeit sein würde. Obwohl diese Ankündigung für die Apostel einer Enttäuschung gleichkam, sahen sie Jesu Gründe, die Verkündigung des Königreichs in dieser Weise zu beginnen, doch wenigstens zum Teil ein, und so machten sie sich guten Mutes und mit Vertrauen und Begeisterung auf den Weg. Er sandte sie in Paaren aus, Jakobus und Johannes nach Kheresa, Andreas und Petrus nach Kapernaum, während Philipp und Nathanael nach Tarichäa gingen.

138:1.2

Bevor sie diesen ersten, zweiwöchigen Dienst begannen, eröffnete Jesus ihnen, er wünsche, zwölf Apostel mit der Fortsetzung des Werks für das König­reich nach seinem Weggang zu betrauen, und ermächtigte jeden von ihnen, unter den Bekehrten der ersten Stunde einen Mann als Mitglied für das geplante Apostelkorps auszusuchen. Da fragte Johannes offen heraus: „Aber, Meister, werden diese sechs Männer mitten unter uns sein und alles in gleicher Weise mit uns teilen, die wir seit dem Jordan bei dir sind und alle deine Unterweisungen zur Vorbereitung dieser unserer ersten Arbeit für das Königreich gehört haben?“ Und Jesus antwortete: „Ja, Johannes, die Männer, die ihr wählt, sollen eins mit uns werden, und ihr werdet sie alles über das Königreich lehren, gerade so, wie ich es euch gelehrt habe.“ Nach diesen Worten verließ er sie.

138:1.3

Bevor die Sechs sich trennten, um an ihre Arbeit zu gehen, hatten sie eine lange Diskussion über Jesu Anweisung, dass jeder von ihnen einen neuen Apostel aussuchen solle. Die Ansicht von Andreas setzte sich schließlich durch, und sie brachen zu ihrer Arbeit auf. Andreas sagte im Wesentlichen: „Der Meister hat recht; wir sind zu wenige, um diese Aufgabe zu bewältigen. Es werden mehr Lehrer gebraucht, und der Meister hat großes Vertrauen in uns bekundet, indem er uns mit der Wahl dieser sechs neuen Apostel beauftragt.“ Als sie sich an diesem Morgen trennten, um an ihre Arbeit zu gehen, gab es im Herzen eines jeden von ihnen einen Anflug von heimlicher Niedergeschlagenheit. Sie wussten, dass Jesus ihnen fehlen würde, und ganz abgesehen von ihrer Furcht und Schüchternheit war das nicht die Art, in der sie sich die Einleitung des Königreichs vorgestellt hatten.

138:1.4

Es war vorgesehen, dass die sechs zwei Wochen lang arbeiten und dann für eine Besprechung zum Hause des Zebedäus zurückkehren sollten. In der Zwischenzeit ging Jesus nach Nazareth hinüber, um Joseph und Simon und andere in der Nachbarschaft wohnende Familienangehörige zu besuchen. Jesus tat alles Menschenmögliche, was sich mit seiner Entschlossenheit, seines Vaters Willen auszuführen, vereinbaren ließ, um das Vertrauen und die Zuneigung seiner Familie zu erhalten. Er tat in dieser Beziehung seine ganze Pflicht und mehr.

138:1.5

Während die Apostel unterwegs auf Mission waren, dachte Jesus viel an Johannes, der jetzt im Gefängnis war. Seine Versuchung war groß, sich seiner potentiellen Kräfte zu bedienen, um ihn zu befreien, aber wiederum ergab er sich darein, „des Vaters Willen abzuwarten“.

2. Die Wahl der Sechs

138:2.1

Diese erste Missionsreise der sechs war äußerst erfolgreich. Sie entdeckten alle den großen Wert direkten und persönlichen Kontaktes mit den Menschen. Als sie zu Jesus zurückkehrten, war ihnen bewusster geworden, dass Religion am Ende ganz und gar eine Angelegenheit rein persönlicher Erfahrung ist. Sie begannen zu fühlen, wie hungrig das einfache Volk war, Worte religiösen Trostes und geistiger Ermutigung zu hören. Als sie um Jesus versammelt waren, wollten alle auf einmal sprechen, aber Andreas übernahm die Leitung, und rief einen nach dem anderen auf. Und sie legten vor dem Meister in aller Form ihre Berichte ab und unterbreiteten ihm ihre Vorschläge für die sechs neuen Apostel.

138:2.2

Nachdem jeder seine Wahl für das neue Apostolat vorgebracht hatte, bat Jesus alle anderen, über den Vorschlag abzustimmen; so wurden alle sechs neuen Apostel formell von allen sechs älteren angenommen. Dann kündigte Jesus an, dass sie alle miteinander diese Kandidaten aufsuchen und sie zum Dienst aufrufen würden.

138:2.3

Die neu gewählten Apostel waren:

138:2.4

1. Matthäus Levi, der Zolleinnehmer von Kapernaum, dessen Dienststelle im Osten der Stadt, nahe der Grenze zu Batanäa, lag. Andreas hatte ihn gewählt.

138:2.5

2. Thomas Didymus, ein Fischer aus Tarichäa, vormals Zimmermann und Steinmetz in Gadara. Er war Philipps Wahl.

138:2.6

3. Jakobus Alphäus, ein Fischer und Bauer aus Keresa wurde von Jakobus Zebedäus ausgewählt.

138:2.7

4. Judas Alphäus, der Zwillingsbruder des Jakobus Alphäus, war auch Fischer und wurde von Johannes Zebedäus ausgewählt.

138:2.8

5. Simon Zelotes nahm in der patriotischen Organisation der Zeloten einen höheren Rang ein. Er gab seine Stellung auf, um sich Jesu Jüngern anzuschliessen. Simon war Kaufmann gewesen, bevor er zu den Zeloten gegangen war. Petrus hatte ihn ausgewählt.

138:2.9

6. Judas Iskariot war einziger Sohn reicher jüdischer Eltern, die in Jericho lebten. Er hatte sich Johannes dem Täufer angeschlossen, worauf ihn seine sadduzäischen Eltern verstießen. Er hielt in jener Gegend nach Beschäf­tigung Ausschau, als Jesu Apostel ihn fanden, und Nathanael lud ihn hauptsächlich wegen seiner Erfahrung mit Geldgeschäften ein, sich ihnen anzuschließen. Judas Iskariot war der einzige Judäer unter den zwölf Aposteln.

138:2.10

Jesus verbrachte mit den Sechs einen ganzen Tag, um ihre Fragen zu beantworten und sich bis in die Einzelheiten ihre Berichte anzuhören, denn sie hatten von vielen interessanten und nützlichen Erfahrungen zu erzählen. Sie erkannten jetzt die Weisheit des Plans des Meisters, sie zu ruhiger, persönlicher Arbeit auszusenden, bevor sie ihre anspruchsvolleren öffentlichen Bemühungen beginnen würden.

3. Die Berufung von Matthäus und Simon

138:3.1

Jesus und die Sechs suchten am nächsten Tag Matthäus, den Zolleinnehmer auf. Matthäus erwartete sie bereits, nachdem er seine Bücher abgeschlossen und Vorkehrungen getroffen hatte, um die Angelegenheiten seines Kontors auf seinen Bruder zu übertragen. Als sie sich dem Zollhaus näherten, traten Andreas und Jesus vor, und dieser schaute Matthäus an und sagte: „Folge mir.“ Matthäus erhob sich und begab sich mit Jesus und den Aposteln zu seinem Hause.

138:3.2

Matthäus erzählte Jesus von dem Bankett, das er für den Abend vorbereitet hatte, und dass er wenigstens wünschte, seiner Familie und seinen Freunden ein solches Festessen zu geben, wenn Jesus einverstanden wäre und einwilligen würde, Ehrengast zu sein. Jesus gab durch Nicken sein Einverständnis. Darauf nahm Petrus Matthäus zur Seite und erklärte ihm, dass er einen gewissen Simon eingeladen habe, sich den Aposteln anzuschließen und erlangte von ihm die Einwilligung, Simon ebenfalls zu dem Fest zu laden.

138:3.3

Nach einem Mittagsmahl im Hause des Matthäus machten sie sich alle mit Petrus zu Simon Zelotes auf, den sie in seinem ehemaligen, nun von seinem Neffen geführten Geschäft fanden. Als Petrus Jesus zu Simon geführt hatte, grüßte der Meister den glühenden Patrioten und sagte nur: „Folge mir.“

138:3.4

Sie kehrten alle ins Haus des Matthäus zurück, wo sie bis zur Stunde des Abendessens viel über Politik und Religion sprachen. Die Familie Levi war seit langem in Geschäften und in der Steuereinziehung tätig; deshalb wären viele der von Matthäus zum Bankett geladenen Gäste von den Pharisäern als „Zöllner und Sünder“ bezeichnet worden.

138:3.5

Wenn in jenen Tagen für eine bedeutende Persönlichkeit ein solches Empfangs-Bankett gegeben wurde, war es Sitte, dass alle daran interessierten Leute im Festsaal herumgingen, um die Gäste bei Tische zu beobachten und den Gesprächen und Reden der geehrten Männer zuzuhören. Deshalb waren bei dieser Gelegenheit die meisten Pharisäer aus Kapernaum zugegen, um Jesu Verhalten bei diesem ungewöhnlichen gesellschaftlichen Anlass zu beobachten.

138:3.6

Im Verlauf des Abendessens schwoll die Fröhlichkeit der Tafelnden mächtig an, und alle waren so guter Dinge, dass die Pharisäer unter den Zuschauern insgeheim begannen, Jesus wegen seiner Teilnahme an einem so unbeschwerten und sorglosen Anlass zu kritisieren. Als später am Abend Reden gehalten wurden, ging einer der böswilligeren Pharisäer so weit, gegenüber Petrus seine Kritik an Jesu Verhalten zu äußern: „Wie wagt ihr es zu lehren, dass dieser Mann rechtschaffen sei, wenn er mit Zöllnern und Sündern speist und sich hergibt, solchen Szenen unbekümmerter Lustbarkeit beizuwohnen.“ Bevor Jesus zu den Versammelten den Abschiedssegen sprach, raunte ihm Petrus diese Kritik zu. Jesus begann folgendermaßen zu sprechen: „Ich bin heute Abend hierher gekommen, um Matthäus und Simon in unserer Gemeinschaft willkommen zu heißen, und ich bin glücklich, Zeuge eurer Unbeschwertheit und fröhlichen Geselligkeit zu sein, aber ihr solltet euch noch mehr freuen, weil viele von euch im kommenden Königreich des Geistes Einlass finden werden, wo ihr euch der guten Dinge des Königreichs des Himmels noch in viel reicherem Maße erfreuen werdet. Und zu euch, die ihr herumsteht und mich insgeheim tadelt, weil ich hier bin, um fröhlich mit diesen Freunden zu feiern, lasst mich sagen, dass ich gekommen bin, um den von der Gesellschaft Unterdrückten Freude und den sittlich Gefangenen geistige Freiheit zu verkünden. Muss ich euch daran erinnern, dass diejenigen, denen nichts fehlt, keinen Arzt brauchen, wohl aber die Kranken? Ich bin nicht gekommen, die Tugendhaften zu rufen, sondern die Sünder.“

138:3.7

Und das war für das ganze Judentum tatsächlich ein seltsamer Anblick: einen Mann aufrechten Charakters und vornehmer Gesinnung sich frei und fröhlich unter das gemeine Volk mischen zu sehen, und sogar unter eine ungläubige und vergnügungshungrige Schar von Zöllnern und bekannten Sündern. Simon Zelotes wünschte, an diesem Treffen in Matthäus‘ Hause eine Ansprache zu halten, aber Andreas, der wusste, dass Jesus keine Verwechslung des kommenden Königreichs mit der Bewegung der Zeloten wünschte, brachte ihn dazu, sich jeder öffentlichen Äußerung zu enthalten.

138:3.8

Jesus und die Apostel blieben über Nacht in Matthäus‘ Haus, und die Leute sprachen auf ihrem Heimweg nur über eines: über Jesu Güte und Freundlich­keit.

4. Die Berufung der Zwillinge

138:4.1

Am Morgen setzten alle neun in einem Boot nach Keresa hinüber, um in aller Form die beiden nächsten Apostel, Jakobus und Judas, die Zwillingssöhne des Alphäus und Kandidaten von Jakobus und Johannes Zebedäus zu berufen. Die Fischer-Zwillinge rechneten mit dem Kommen Jesu und seiner Apostel und warteten deshalb am Ufer auf sie. Jakobus Zebedäus stellte den Meister den beiden Fischern aus Keresa vor und Jesus blickte sie an, nickte und sagte: „Folgt mir.“

138:4.2

Sie verbrachten diesen Nachmittag zusammen, und Jesus gab ihnen genaue Anweisungen für den Besuch festlicher Anlässe. Er beschloss seine Bemerkungen mit folgenden Worten: „Alle Menschen sind meine Brüder. Mein Vater im Himmel verachtet nicht ein einziges von uns erschaffenes Geschöpf. Das Königreich des Himmels steht allen Männern und Frauen offen. Niemand darf das Tor des Erbarmens vor irgendeiner hungrigen Seele zuschließen, die Einlass zu finden sucht. Wir werden uns mit allen zu Tische setzen, deren Wunsch es ist, vom Königreich zu hören. Vor unserem Vater im Himmel, der auf die Menschen herunterschaut, sind alle gleich. Lehnt es deshalb nicht ab, das Brot mit Pharisäern oder Sündern zu brechen, mit Sadduzäern oder Zöllnern, Römern oder Juden, Reichen oder Armen, Freien oder Sklaven. Das Tor des Königreichs steht allen weit offen, die die Wahrheit zu kennen und Gott zu finden begehren.“

138:4.3

An diesem Abend wurden die Zwillingsbrüder bei einem einfachen Mal im Hause des Alphäus in die apostolische Familie aufgenommen. Später am Abend gab Jesus seinen Jüngern ihre erste Lektion über Ursprung, Wesen und Schicksal der unreinen Geister, aber sie konnten den Sinn dessen, was er ihnen sagte, nicht erfassen. Es fiel ihnen sehr leicht, Jesus zu lieben und zu bewundern, aber sehr schwer, viele seiner Unterweisungen zu verstehen.

138:4.4

Nach der Nachtruhe begab sich die ganze Gemeinschaft, jetzt elf zählend, mit dem Boot nach Tarichäa hinüber.

5. Die Berufung von Thomas und Judas

138:5.1

Der Fischer Thomas und der Wanderer Judas warteten an der Anlegestelle für Fischerboote von Tarichäa auf Jesus und die Apostel, und Thomas führte die Gruppe in sein nahe gelegenes Haus. Philipp stellte nun Thomas als seinen Kandidaten für das Apostolat vor und Nathanael präsentierte Judas Iskariot, den Judäer, für dieselbe Ehre. Jesus schaute Thomas an und sagte: „Thomas, es fehlt dir an Glauben; trotzdem nehme ich dich an. Folge mir.“ Zu Judas Iskariot sagte der Meister: „Judas, wir alle sind ein Fleisch, und während ich dich in unsere Mitte aufnehme, bete ich, du mögest deinen galiläischen Brüdern stets die Treue halten. Folge mir.“

138:5.2

Nachdem sie sich erfrischt hatten, ging Jesus mit den Zwölfen eine Weile abseits, um mit ihnen zu beten und sie über das Wesen und Wirken des Heiligen Geistes ins Bild zu setzen, aber wiederum waren sie weitgehend außerstande, die Bedeutung der wunderbaren Wahrheiten zu verstehen, die er sie zu lehren suchte. Der eine erfasste diesen Punkt, der andere jenen, aber keiner war imstande, das Ganze seines Unterrichts aufzunehmen. Sie begingen immer den Fehler, Jesu neues Evangelium in die alten Formen ihres religiösen Glaubens einpassen zu wollen. Sie konnten die Idee nicht erfassen, dass Jesus gekommen war, um ein neues Evangelium des Heils zu verkünden und eine neue Art der Gottfindung einzuführen; sie erkannten nicht, dass er selber die neue Offenbarung des himmlischen Vaters war.

138:5.3

Am nächsten Tag ließ Jesus seine zwölf Apostel ganz allein. Er wollte, dass sie sich miteinander bekannt machten und wünschte, dass sie allein blieben, um über das, was er sie gelehrt hatte, zu sprechen. Der Meister kehrte zum Abendessen zurück und sprach während der anschließenden Stunden zu ihnen über den Dienst der Seraphim; einige der Apostel verstanden seine Lehre. Sie ruhten eine Nacht lang und fuhren anderntags mit dem Boot nach Kapernaum ab.

138:5.4

Zebedäus und Salome waren zu ihrem Sohn David gezogen, so dass ihr großes Haus Jesus und seinen zwölf Aposteln zur Verfügung gestellt werden konnte. Hier verbrachte Jesus mit seinen ausgewählten Botschaftern einen ruhigen Sabbat. Er legte ihnen sorgfältig die Pläne für die Ausrufung des Königreichs dar und erklärte ausführlich die Wichtigkeit, jeden Zusammenstoß mit der zivilen Gewalt zu vermeiden. Er sagte: „Sollte es nötig sein, die zivilen Herrscher zu rügen, dann überlasst diese Aufgabe mir. Seht zu, weder Caesar noch seine Untergebenen anzuprangern.“ Am selben Abend nahm Judas Iskariot Jesus beiseite, um ihn zu fragen, weshalb nichts unternommen werde, um Johannes aus dem Gefängnis zu befreien. Doch Jesu Haltung stellte ihn nicht ganz zufrieden.

6. Die Woche intensiver Schulung

138:6.1

Die nächste Woche war einem Programm intensiver Schulung gewidmet. Jeden Tag wurden die sechs neuen Apostel ihren jeweiligen Ernennern anvertraut, um alles, was diese bei der Vorbereitung der Arbeit für das Königreich gelernt und erfahren hatten, von Grund auf zu rekapitulieren. Sorgfältig gingen die älteren Apostel zugunsten der jüngeren sechs die Unterweisungen Jesu bis zu diesem Tag durch. Abends kamen sie alle in Zebedäus‘ Garten zusammen, um Jesu Unterweisung zu erhalten.

138:6.2

Damals führte Jesus in der Mitte der Woche einen freien Tag für Ruhe und Erholung ein. Und sie hielten sich an diesen wöchentlichen Tag der Entspannung während des ganzen Rests seines physischen Lebens. Im Allgemeinen galt die Regel, ihre normale Tätigkeit niemals am Mittwoch auszuüben. An diesem wöchentlichen Ruhetag ließ Jesus sie gewöhnlich allein mit den Worten: „Meine Kinder, gönnt euch einen Tag der Zerstreuung. Ruht euch von der anstrengenden Arbeit für das Königreich aus und genießt die erfrischende Rückkehr zu eurer früheren Beschäftigung oder die Entdeckung neuer erholsamer Tätigkeiten.“ Wenn auch Jesus in diesem Abschnitt seines Erdenlebens einen solchen Ruhetag nicht wirklich benötigte, so fügte er sich doch diesem Plan, weil er wusste, dass es für seine menschlichen Mitarbeiter so am besten war. Jesus war der Lehrer – der Mei­ster; seine Mitarbeiter waren seine Schüler – seine Jünger.

138:6.3

Jesus bemühte sich, seinen Aposteln den Unterschied zwischen seinen Lehren und seinem Leben unter ihnen und den Lehren, die später über ihn entstehen könnten, klarzumachen. Jesus sagte: „Mein Königreich und das sich darauf beziehende Evangelium sollen der Schwerpunkt eurer Botschaft sein. Geratet nicht auf Seitenpfade, indem ihr über mich und über meine Lehren predigt. Verkündet die frohe Botschaft des Königreichs und schildert meine Offenbarung des Vaters im Himmel, aber verirrt euch nicht auf Nebenwege, indem ihr Legenden schafft und einen Kult errichtet, dessen Inhalt Glauben und Lehren über meinen Glauben und meine Lehren sind.“ Aber wiederum verstanden sie nicht, weshalb er so sprach, und keiner wagte zu fragen, warum er sie solches lehrte.

138:6.4

Bei diesen frühen Unterweisungen bemühte sich Jesus, Auseinandersetzungen mit seinen Aposteln soweit als möglich zu vermeiden außer, wenn es sich um falsche Vorstellungen von seinem Vater im Himmel handelte. In all solchen Angelegenheiten zögerte er nie, falsche Konzepte zu korrigieren. Es gab im Leben Jesu auf Urantia nach seiner Taufe nur eine Triebfeder, und das war eine bessere und wahrere Offenbarung seines Vaters im Paradies; er war der Pionier des neuen und besseren Weges zu Gott, des Weges des Glaubens und der Liebe. Immer lautete seine Aufforderung an die Apostel: „Geht und sucht nach Sündern; findet die Niedergeschlagenen auf und ermutigt die Ängstlichen.“

138:6.5

Jesus beherrschte die Situation vollkommen; er besaß unbeschränkte Macht, die er zur Förderung seiner Sendung hätte einsetzen können, aber er war völlig zufrieden mit Mitteln und Persönlichkeiten, die die meisten Leute als ungeeignet und unbedeutend angesehen hätten. Er befand sich in einer Sendung mit enormen dramatischen Möglichkeiten, aber er bestand darauf, sich der Angelegenheiten seines Vaters in der ruhigsten und undramatischsten Weise anzunehmen. Sorgfältig vermied er jede Machtdemonstration. Und jetzt beabsichtigte er, mit seinen zwölf Aposteln in Ruhe wenigstens ein paar Monate lang rund um das Galiläische Meer herum zu arbeiten.

7. Eine weitere Enttäuschung

138:7.1

Jesus hatte eine ruhige fünfmonatige Missionstätigkeit persönlichen Einsatzes geplant. Er sagte seinen Aposteln nicht, wie lange sie dauern würde; sie arbeiteten von Woche zu Woche. Und früh an diesem ersten Wochentag, als er seinen Aposteln eben diese Ankündigung machen wollte, kamen Simon Petrus, Johannes Zebedäus und Judas Iskariot, um sich persönlich mit ihm zu unterhalten. Petrus nahm Jesus beiseite und erkühnte sich zu sagen: „Meister, wir kommen auf Veranlassung unserer Mitarbeiter, um uns zu erkundigen, ob die Zeit nicht reif ist, ins Königreich einzutreten. Und wirst du das Königreich in Kapernaum verkündigen, oder werden wir nach Jerusalem gehen? Und wann wird jeder von uns erfahren, welche Stellung er neben dir bei der Errichtung des Königreichs einnehmen wird –“, und Petrus würde weitergefragt haben, wenn Jesus nicht eine mahnende Hand erhoben und ihm Einhalt geboten hätte. Mit einem Zeichen forderte er die in der Nähe stehenden Apostel auf heranzukommen und sagte: „Meine kleinen Kinder, wie lange soll ich Nachsicht mit euch üben? Habe ich euch nicht klargemacht, dass mein Königreich nicht von dieser Welt ist? Ich habe euch oft gesagt, dass ich nicht gekommen bin, um mich auf Davids Thron zu setzen. Wie ist es möglich, dass ihr jetzt wissen wollt, welchen Platz ein jeder von euch in des Vaters Königreich einnehmen wird? Könnt ihr nicht begreifen, dass ich euch zu Botschaftern eines geistigen Königreichs berufen habe? Versteht ihr nicht, dass ihr dazu bestimmt seid, mich bald, sehr bald in der Welt und in der Verkündigung des Königreichs zu vertreten, gerade so, wie ich jetzt meinen Vater im Himmel vertrete? Ist es möglich, dass ich euch als Botschafter des Königreichs ausgewählt und ausgebildet habe und ihr das Wesen und die Bedeutung dieses kommenden Königreichs göttlicher Vorherrschaft in den Herzen der Menschen nicht versteht? Meine Freunde, hört mir noch einmal zu! Verbannt die Idee aus eurer Vorstellung, dass mein Königreich ein Regiment der Macht oder eine ruhmreiche Herrschaft sei. Tatsächlich wird sehr bald alle Macht im Himmel und auf Erden in meine Hände gelegt werden, aber es ist nicht des Vaters Wille, dass wir diese göttliche Machtfülle in unserer Zeit zur persönlichen Glorifizierung einsetzen sollen. In einem anderen Zeitalter werdet ihr allerdings in Macht und Ruhm bei mir sein, aber jetzt haben wir uns dem Willen des Vaters unterzuordnen und uns in demütigem Gehorsam an die Ausführung seiner Gebote auf Erden zu machen.“

138:7.2

Seine Mitarbeiter waren wiederum schockiert, wie gelähmt. Jesus schickte sie paarweise weg, um zu beten und hieß sie, am Mittag zu ihm zurückzukehren. An diesem entscheidenden Vormittag suchte jeder von ihnen, Gott zu finden, und jeder gab sich Mühe, den anderen zu ermutigen und zu bestärken, und sie kehrten zu Jesus zurück, wie er ihnen geboten hatte.

138:7.3

Und nun erzählte er ihnen vom Kommen des Johannes, von der Taufe im Jordan, dem Hochzeitsfest in Kana, der kürzlichen Wahl der Sechs, wie sich seine leiblichen Brüder von ihnen zurückgezogen hatten, und warnte sie, dass der Feind des Königreichs versuchen werde, auch sie wegzulocken. Nach diesem kurzen, aber ernsten Gespräch erhoben sich unter Anführung von Petrus alle Apostel, um ihrem Meister gegenüber immerwährende Ergebenheit zu bekunden und dem Königreich unverbrüchliche Treue zu geloben, „diesem künftigen Königreich”, wie Thomas sich ausdrückte, „was immer es sein mag und auch, wenn ich es nicht ganz verstehe“. Sie glaubten alle wahrhaftig an Jesus, auch wenn sie seine Unterweisung nicht ganz verstanden.

138:7.4

Jesus fragte sie jetzt, wie viel Geld sie alle zusammen besäßen, und er erkundigte sich auch, welche Vorsorge sie für ihre Familien getroffen hätten. Als sich herausstellte, dass ihre Mittel kaum ausreichten, um davon zwei Wochen lang zu leben, sagte er: „Es ist nicht meines Vaters Wille, dass wir unsere Arbeit so beginnen. Wir wollen zwei Wochen hier am See bleiben und fischen oder anpacken, was unsere Hände zu tun finden. Und in der Zwischenzeit sollt ihr euch unter Führung von Andreas, dem erstgewählten Apostel, so organisieren, dass für alles, was ihr in eurem zukünftigen Wirken braucht, vorgesorgt ist. Und das gilt sowohl für euren jetzigen persönlichen Dienst als auch für später, wenn ich euch weihen werde, um das Evangelium zu predigen und Gläubige zu unterweisen.“ Diese Worte ermutigten sie alle sehr, es war die erste klare und positive Mitteilung, dass Jesus später dynamischere und anspruchsvollere öffentliche Anstrengungen zu machen gedachte.

138:7.5

Die Apostel verbrachten den Rest des Tages damit, ihre Organisation zu vervollkommnen und letzte Vorkehrungen für Boote und Netze zu treffen, um am folgenden Tag auf Fischfang zu gehen; denn sie hatten sich alle für das Fischen entschieden; die meisten von ihnen waren Fischer gewesen, selbst Jesus war ein erfahrener Bootsführer und Fischer. Viele der Boote, die sie während der kommenden paar Jahre gebrauchten, hatte Jesus mit eigenen Händen gebaut. Und es waren gute und verlässliche Boote.

138:7.6

Als Jesus sie anwies, zwei Wochen lang auf Fischfang zu gehen, fügte er hinzu „Und danach werdet ihr ausziehen und Menschenfischer werden.“ Sie fischten in drei Gruppen, und Jesus fuhr jeden Abend mit einer anderen Gruppe hinaus. Und wie sehr sie sich alle über Jesu Gegenwart freuten! Er war ein guter Fischer, ein fröhlicher Gefährte und ein inspirierender Freund; je länger sie an seiner Seite arbeiteten, umso mehr liebten sie ihn. Matthäus sagte eines Tages: „Je besser man gewisse Leute versteht, umso weniger bewundert man sie, aber diesen Mann, je weniger ich ihn verstehe, umso mehr liebe ich ihn.“

138:7.7

Dieser Plan, zwei Wochen Fischfang im Wechsel mit zwei Wochen Herumziehen im persönlichen Einsatz für das Königreich, wurde mehr als fünf Monate lang befolgt, bis zum Ende des Jahres 26 n. Chr., als die nach der Gefangennahme des Johannes einsetzende gezielte Verfolgung seiner Jünger aufgehört hatte.

8. Erste Tätigkeit der Zwölf

138:8.1

Nach dem Verkauf des Fischfangs von zwei Wochen teilte Judas Iskariot, der zum Schatzmeister der Zwölf gewählt worden war, die apostolischen Geldmittel in sechs gleiche Teile. Für Mittel zum Unterhalt der abhängigen Familien war bereits gesorgt worden. Und dann, um die Augustmitte des Jahres 26 n. Chr., zogen sie paarweise aus in die ihnen von Andreas zugewiesenen Arbeitsbezirke. Während der ersten zwei Wochen begleitete Jesus Andreas und Petrus, während der nächsten beiden Jakobus und Johannes; und desgleichen die übrigen Paare in der Reihenfolge ihrer Wahl. Das ermöglichte ihm, mit jedem Paar wenigstens einmal auszuziehen, bevor er sie zusammenrief, um mit der Öffentlichkeitsarbeit zu beginnen.

138:8.2

Jesus unterwies sie, die Vergebung der Sünden durch den Glauben an Gott ohne Buße oder Opfer zu predigen, und dass der Vater im Himmel alle seine Kinder mit derselben ewigen Liebe liebt. Er gebot seinen Aposteln, sich der Diskussion der folgenden Punkte zu enthalten:

138:8.3

1. Werk und Gefangenschaft von Johannes dem Täufer.

138:8.4

2. Die Stimme bei der Taufe. Jesus sagte: „Nur jene, die die Stimme gehört haben, mögen darüber sprechen. Sagt lediglich, was ihr von mir vernommen habt, und nichts, was ihr vom Hörensagen wisst.“

138:8.5

3. Die Verwandlung des Wassers in Wein in Kana. Jesus schärfte ihnen sehr ernsthaft ein: „Sagt niemandem etwas über das Wasser und den Wein.“

138:8.6

Sie verlebten eine wunderbare Zeit während dieser fünf oder sechs Monate, als sie in vierzehntägigem Wechsel als Fischer arbeiteten, und dabei genug Geld verdienten, um während des darauf folgenden Einsatzes von zwei Wochen Missionsarbeit für das Königreich für sich selbst aufzukommen.

138:8.7

Das einfache Volk staunte über die Lehre und das Wirken Jesu und seiner Apostel. Die Rabbis hatten die Juden seit langem gelehrt, dass Unwissende nicht fromm oder rechtschaffen sein können. Aber Jesu Apostel waren sowohl fromm als auch rechtschaffen; und doch entbehrten sie vergnügt eines Großteils der Gelehrsamkeit der Rabbis und der Weisheit der Welt.

138:8.8

Jesus erklärte seinen Aposteln den Unterschied zwischen der Buße durch sogenannte gute Werke, wie die Juden sie lehrten, und dem Geisteswandel durch den Glauben – die Neugeburt – den er als Preis für die Aufnahme ins Königreich verlangte. Er lehrte seine Apostel, dass der Glaube das einzige Erfordernis zum Eintritt in des Vaters Königreich ist. Johannes hatte sie „Buße“ gelehrt, „um dem kommenden Zorn zu entrinnen“. Jesus lehrte: „Der Glaube ist die offene Tür, um in die gegenwärtige, vollkommene und ewige Liebe Gottes einzutreten.“ Jesus sprach nicht wie ein Prophet, wie einer, der kommt, um Gottes Wort zu verkünden. Er schien von sich selber als einem zu sprechen, der Autorität hat. Jesus suchte ihren Sinn von der Wundersuche weg- und hinzulenken auf das Finden einer wirklichen und persönlichen Erfahrung der Zufriedenheit und Gewissheit, vom göttlichen Geist der Liebe und rettenden Gnade bewohnt zu werden.

138:8.9

Die Jünger bemerkten bald, dass der Meister jedem menschlichen Wesen gegenüber, dem er begegnete, tiefen Respekt und mitfühlende Anteilnahme bekundete, und sie waren gewaltig beeindruckt von dieser immer gleichen und unveränderlichen Achtung, die er beständig allen möglichen Männern, Frauen und Kindern entgegenbrachte. Er konnte mitten in einer tiefgründigen Rede innehalten und auf die Straße hinausgehen, um einer mit ihrer körperlichen und seelischen Bürde beladenen Frau, die gerade vorüberging, guten Mut zuzusprechen. Oder er unterbrach eine ernste Besprechung mit seinen Aposteln, um sich väterlich mit einem störenden Kind abzugeben. Nichts schien Jesus jemals wichtiger als der individuelle Mensch, der sich gerade in seiner unmittelbaren Gegenwart befand. Er war Meis­ter und Lehrer, aber er war mehr als das: Er war auch ein Freund und Nachbar, ein verstehender Kamerad.

138:8.10

Während Jesu öffentliche Unterweisung hauptsächlich aus Gleichnissen und kurzen Reden bestand, unterrichtete er seine Apostel stets durch Fragen und Antworten. Später unterbrach er seine öffentlichen Ansprachen immer, um ehrlich gemeinte Fragen zu beantworten.

138:8.11

Die Art, wie Jesus mit den Frauen umging, brachte die Apostel anfangs aus der Fassung, aber sie gewöhnten sich bald daran; er machte ihnen ganz klar, dass den Frauen im Königreich dieselben Rechte wie den Männern zuteil werden.

9. Fünfmonatige Probezeit

138:9.1

Diese ziemlich eintönige Periode des Fischens im Wechsel mit persönlicher Arbeit erwies sich für die zwölf Apostel als aufreibende Erfahrung, aber sie bestanden die Probe. Trotz ihres Murrens, Zweifelns und vorübergehender Unzufriedenheit hielten sie sich an ihr Gelübde der Ergebenheit und Treue gegenüber dem Meister. Ihr persönliches Zusammenleben mit Jesus während dieser Probemonate war es, was sie ihn so sehr liebgewinnen ließ, dass sie ihm alle (außer Judas Iskariot) sogar in den dunklen Stunden des Prozesses und der Kreuzigung aufrichtig die Treue hielten. Wahre Menschen konnten ganz einfach nicht einen verehrten Lehrer verlassen, der so nahe mit ihnen zusammengelebt und sich ihnen so sehr gewidmet hatte wie Jesus. Während der dunklen Todesstunden des Meisters verdrängte in den Herzen dieser Apostel eine einzige außerordentliche menschliche Empfindung alle Überlegung, Beurteilung und Logik – ein übermächtiges Gefühl von Freundschaft und Treue. Diese fünf Monate währende Zusammenarbeit mit Jesus brachte jeden dieser Apostel dazu, ihn als den besten Freund zu betrachten, den er auf der ganzen Welt besaß. Es waren nicht seine hervorragenden Lehren noch seine Wundertaten, sondern es war dieses menschliche Gefühl, das sie zusammenhielt bis nach der Auferstehung und bis sie die Verkündigung des Evangeliums des Königreichs wieder aufnahmen.

138:9.2

Diese Monate stiller Arbeit stellten nicht nur die Apostel auf eine harte Probe, die sie bestanden; diese Zeit ohne öffentliche Tätigkeit war auch eine schwere Prüfung für die Familie Jesu. Zum Zeitpunkt, da Jesus bereit war, seine Öffentlichkeitsarbeit aufzunehmen, hatte ihn (mit Ausnahme von Ruth) praktisch seine ganze Familie verlassen. Nur bei vereinzelten Gelegenheiten versuchten sie später, mit ihm Kontakt aufzunehmen, und dann jedes Mal, um ihn zu überreden, mit ihnen nach Hause zurückzukehren; denn sie waren nicht weit davon entfernt, ihn für verrückt zu halten. Sie konnten seine Philosophie ganz einfach nicht ergründen, noch seine Lehre fassen; es war für sie, sein eigen Fleisch und Blut, einfach zu viel.

138:9.3

Die Apostel fuhren mit ihrer persönlichen Arbeit fort in Kapernaum, Bethsaida-Julias, Chorazin, Gerasa, Hippos, Magdala, Kana, Betlehem in Galiläa, Jotapata, Ramah, Safed, Gischala, Gadara und Abila. Außer in diesen Städten arbeiteten sie in vielen Dörfern und auf dem Lande. Bis zum Ende dieser Zeitspanne hatten die Zwölf einigermaßen zufriedenstellende Pläne zum Wohle ihrer jeweiligen Familien ausgearbeitet. Die meisten Apostel waren verheiratet, und einige hatten mehrere Kinder, aber sie hatten sich um den Unterhalt ihrer Angehörigen in einer Weise gekümmert, dass sie, bei kleiner Unterstützung aus den apostolischen Mitteln, ihre ganze Energie auf das Werk des Meisters verwenden konnten, ohne sich um das finanzielle Wohlergehen ihrer Familien Sorgen machen zu müssen.

10. Organisation der Zwölf

138:10.1

Die Apostel organisierten sich schon früh in der folgenden Weise:

138:10.2

1. Andreas, der zuerst gewählte Apostel, wurde zum Vorsitzenden und allgemeinen Leiter der Zwölf bestimmt.

138:10.3

2. Petrus, Jakobus und Johannes wurden zu persönlichen Gefährten Jesu ernannt. Sie hatten ihm Tag und Nacht zu Diensten zu sein, sich um seine materiellen und übrigen Bedürfnisse zu kümmern und ihn zu begleiten während der durchwachten Nächte, die er im Gebet und in geheimnisvoller Verbindung mit dem himmlischen Vater verbrachte.

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3. Philipp wurde zum Haushalter der Gruppe bestimmt. Seine Aufgabe war es, Nahrung zu beschaffen und dafür zu sorgen, dass die Besucher und gelegentlich auch die Zuhörerscharen etwas zu essen hatten.

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4. Nathanael nahm sich der Bedürfnisse der Familien der Zwölf an. Er erhielt regelmäßige Berichte über den Bedarf der Familie jedes Apostels und sandte denen, die ihrer bedurften, allwöchentlich Mittel, die er von Judas, dem Schatzmeister, bezog.

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5. Matthäus war der Finanzbeauftragte des apostolischen Korps. Seine Aufgabe war es, über ein ausgeglichenes Budget und eine stets nachgefüllte Kasse zu wachen. Wenn keine Mittel für die gegenseitige Unterstützung hereinkamen und zum Unterhalt der Gruppe keine genügenden Schenkungen eintrafen, stand Matthäus das Recht zu, die Zwölf eine Zeit lang an ihre Netze zurückzurufen. Aber das wurde nach dem Beginn ihres öffentlichen Wirkens nie nötig. In den Händen des Schatzmeisters befand sich immer genug Geld, um ihre Unternehmungen zu finanzieren.

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6. Thomas war der Planer der Reiseroute. Es oblag ihm, Unterkünfte zu organisieren und ganz allgemein für Unterweisung und Predigt geeignete Orte auszuwählen und so für einen glatten und zügigen Reiseverlauf zu sorgen.

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7. Jakobus und Judas, die Zwillingssöhne des Alphäus, wurde die Aufsicht über die Menschenmengen zugewiesen. Es war ihre Aufgabe, für Hilfs­ord­nungsleute in genügender Zahl zu sorgen, um die Ordnung in der Menge während der Predigten aufrechtzuerhalten.

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8. Simon Zelotes war für Erholung und Spiel zuständig. Er erstellte die Mittwoch­programme und sorgte auch täglich für ein Paar Stunden der Ent­spannung und Abwechslung.

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9. Judas Iskariot wurde zum Schatzmeister ernannt. Er trug den Geldbeutel. Er bezahlte alle Auslagen und führte Buch. Von Woche zu Woche legte er Matthäus Budgetvoranschläge vor und erstattete auch Andreas wöchentlich Bericht. Judas zahlte Gelder mit Andreas‘ Genehmigung aus.

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In dieser Weise arbeiteten die Zwölf seit dem Beginn ihrer Organisation bis zu ihrer Reorganisierung, die mit dem Abfall des Verräters Judas notwendig wurde. Der Meister und seine Jünger-Apostel lebten in dieser einfachen Weise bis am Sonntag, dem 12. Januar 27 n. Chr., als er sie zusammenrief und sie in aller Form zu Botschaftern des Königreichs und zu Predigern der Frohen Botschaft weihte. Und bald darauf machten sie sich bereit, um zu ihrer ersten öffentlichen Predigtrundreise nach Jerusalem und Judäa aufzubrechen.


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