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Die Ursprünge der Anbetung

1. Verehrung von Steinen und Bergen

85:1.1

Der erste Gegenstand, den der sich entickelnde Mensch verehrte, war ein Stein. Noch heute verehrt das Volk der Kateri in Südindien einen Stein, und zahlreiche nordindische Stämme tun desgleichen. Jakob schlief auf einem Stein, weil er ihn verehrte; er salbte ihn sogar. Rahel verbarg eine Anzahl heiliger Steine in ihrem Zelt.

85:1.2

Die Steine waren es, die die frühen Menschen zuerst als etwas Außeror­den­tliches beeindruckten wegen ihrer Art, sich so plötzlich an der Oberfläche eines bebauten Feldes oder einer Weide zu zeigen. Die Menschen unterließen es, die Erosion oder die Folgen des Umwendens der Erde zu berücksichtigen. Steine beeindruckten frühe Völker auch so sehr, weil sie häufig Tieren glichen. In den Bergen lenken zahlreiche Gesteinsformationen die Aufmerksamkeit des zivilisierten Menschen auf sich, weil sie so stark Tier- oder sogar Menschenköpfen ähnlich sehen. Aber den tiefsten Eindruck übten Meteorsteine aus, die die primitiven Menschen in flammender Großartigkeit durch die Atmosphäre sausen sahen. Sternschnuppen erfüllten die frühen Menschen mit heiligem Schrecken, und sie glaubten mühelos, dass solche leuchtenden Spuren das Vorübergehen eines Geistes auf seinem Weg zur Erde anzeigten. Kein Wunder, dass die Menschen dazu kamen, solche Phänomene anzubeten, ganz besonders wenn sie danach die Meteore entdeckten. Und das führte zu noch größerer Verehrung aller übrigen Steine. In Bengalen verehren viele einen Meteoren, der im Jahr 1880 zur Erde fiel.

85:1.3

Alle alten Klans und Stämme hatten ihre heiligen Steine, und die meisten modernen Völker bringen bestimmten Steinarten – ihren Juwelen – eine gewisse Verehrung entgegen. In Indien wurde eine Gruppe von fünf Steinen verehrt; in Griechenland war es eine Sammlung von deren dreißig; bei den roten Menschen war es gewöhnlich ein Kreis aus Steinen. Die Römer warfen immer einen Stein in die Luft, wenn sie Jupiter anriefen. In Indien kann sogar bis auf den heutigen Tag ein Stein als Zeuge benutzt werden. In einigen Gegenden kann man einen Stein als Talisman des Gesetzes verwenden und aufgrund seines Prestiges einen Übeltäter vor Gericht ziehen. Aber gewöhnliche Sterbliche identifizieren die Gottheit nicht immer mit einem verehrungswürdigen Kultobjekt. Solche Fetische sind oft nur Symbole des wirklichen Gegenstands der Anbetung.

85:1.4

Die Alten hatten eine besondere Ehrfurcht vor in Steinen enthaltenen Hohlräumen. Man nahm an, dass solch poröses Gestein bei der Heilung von Krank­heiten außerordentlich wirkungsvoll sei. Die Ohren wurden nicht durchbohrt, um Steine zu tragen, aber man legte Steine in sie, um die Ohrhöhlen offen zu halten. Auch heutzutage noch machen abergläubische Menschen Löcher in Münzen. In Afrika machen die Eingeborenen viel Aufheben um ihre Fetischsteine. Es ist eine Tatsache, dass bei allen zurückgebliebenen Stämmen und Völkern die Steine immer noch von abergläubischer Verehrung umgeben sind. Auch heute noch ist der Steinkult auf der ganzen Welt weit verbreitet. Der Grabstein ist ein symbolisches Überbleibsel der in Stein gemeißelten Stand- und Götzenbilder im Zusammenhang mit dem Glauben an Geistwesen und an die Geister verstorbener Gefährten.

85:1.5

Auf die Anbetung der Steine folgte die Anbetung der Berge, und die ersten verehrten Berge waren große Gesteinsformationen. Rasch stellte sich der Glaube ein, dass die Götter auf den Bergen wohnten, so dass hohe Landerhebungen aus diesem zusätzlichen Grund verehrt wurden. Mit der Zeit verknüpfte man bestimmte Berge mit bestimmten Göttern, und sie wurden deshalb heilig. Die unwissenden und abergläubischen Ureinwohner glaubten, dass die Höhlen zur Unterwelt mit ihren bösen Geistern und Dämonen führten, im Gegensatz zu den Bergen, die mit den sich später herausbildenden Vorstellungen von guten Geistern und Gottheiten identifiziert wurden.


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