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Letzte Tage in Kapernaum

2. Eine Woche der Ruhe

154:2.1

Am Sonntag, dem 8. Mai 29, erließ der Sanhedrin in Jerusalem ein Dekret, das Jesus und seine Anhänger von sämtlichen Synagogen Palästinas ausschloss. Das war eine neue, nie dagewesene widerrechtliche Aneignung von Autorität durch den Sanhedrin von Jerusalem. Bis dahin hatte jede Synagoge als unabhängige Gemeinde von Gläubigen existiert und funktioniert und war der Aufsicht und Leitung ihrer eigenen Behörde unterstellt gewesen. Nur Jerusalems Synagogen unterstanden der Autorität des Sanhedrins. Auf diese summarische Maßnahme des Sanhedrins hin traten fünf von dessen Mitgliedern zurück. Einhundert Kuriere wurden sofort abgesandt, um das Dekret zu überbringen und durchzusetzen. In der kurzen Spanne von nur zwei Wochen beugten sich sämtliche Synagogen Palästinas mit Ausnahme derjenigen von Hebron der Verfügung des Sanhedrins. Die Leiter der Synagoge von Hebron weigerten sich, das Recht des Sanhedrins anzuerkennen, eine derartige Gerichtsbarkeit über ihre Versammlung auszuüben. Dieser Weigerung, dem Dekret aus Jerusalem zuzustimmen, lag mehr die Streitfrage wegen der Autonomie ihrer Gemeinde als Sympathie für die Sache Jesu zugrunde. Kurz danach wurde die Synagoge von Hebron durch Feuer zerstört.

154:2.2

Am selben Sonntagmorgen kündigte Jesus eine Ferienwoche an. Er forderte all seine Jünger auf, nach Hause oder zu ihren Freunden zu gehen, ihren erregten Gemütern Ruhe zu gönnen und zu ihren Lieben Worte der Ermutigung zu sprechen. Er sagte: „Geht nun ein jeder nach Hause zum Spielen oder Fischen, und betet für die Ausbreitung des Königreichs.“

154:2.3

Diese Woche der Ruhe verschaffte Jesus die Gelegenheit, viele Familien und Gruppen am Seeufer zu besuchen. Verschiedentlich ging er auch mit David Zebedäus fischen. Wenn er auch viele Zeit alleine umherging, hielten sich doch stets zwei oder drei von Davids vertrauenswürdigsten Boten versteckt in der Nähe auf, die von ihrem Vorgesetzten genaue Anweisungen für Jesu Sicherheit erhalten hatten. Es gab während dieser Ruhewoche keine öffentliche Unterweisung irgendwelcher Art.

154:2.4

In derselben Woche lagen Nathanael und Jakobus Zebedäus recht schwer erkrankt darnieder. Drei Tage und Nächte lang litten sie an einer akuten, schmerzhaften Verdauungsstörung. In der dritten Nacht schickte Jesus Salome, die Mutter von Jakobus, zur Ruhe und sorgte selber für seine leidenden Apostel. Jesus hätte diese beiden Männer selbstverständlich sofort heilen können, aber dies ist nicht des Sohnes oder des Vaters Methode im Umgang mit den gewöhnlichen Schwierigkeiten und Leiden der Menschenkinder auf den evolutionären Welten von Zeit und Raum. Während seines ganzen bewegten Erdenlebens kam Jesus nicht ein einziges Mal irgendeinem seiner irdischen Familienmitglieder oder einem seiner unmittelbaren Anhänger auf übernatürliche Weise zu Hilfe.

154:2.5

Universums-Schwierigkeiten und planetarischen Hindernissen muss man als einem Teil der Erfahrungsschule begegnen, die für das Wachstum, die Entfaltung und progressive Vervollkommung der sich entwickelnden Seelen der sterblichen Geschöpfe vorgesehen ist. Die Vergeistigung der menschlichen Seele verlangt eine gründliche Erfahrung mit der erzieherisch wirkenden Lösung eines breiten Fächers wahrer universeller Probleme. Die tierische Natur und die niedrigeren Formen der Willensgeschöpfe entwickeln sich nicht günstig in einer bequemen Umwelt. Problematische Situationen gepaart mit Anreizen, sich anzustrengen, wirken dahin, jene Verstandes-, Seelen- und Geistestätigkeiten zu wecken, welche sehr stark zur Erreichung lohnender Ziele menschlichen Fortschritts und höherer Ebenen geistiger Bestimmung beitragen.


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