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Wartezeit in Galiläa

2. Die Wahl Philipps und Nathanaels

137:2.1

Am Sonntagmorgen, dem 24. Februar 25 n. Chr. verabschiedete sich Jesus von Johannes dem Täufer am Fluss bei Pella; auf Erden sollte er ihn nie wieder sehen.

137:2.2

An dem Tage, da Jesus und seine vier Jünger-Apostel sich nach Galiläa aufmachten, erhob sich im Lager der Anhänger des Johannes ein großer Tumult. Die erste große Spaltung zeichnete sich ab. Tags zuvor hatte Johannes Andreas und Ezra gegenüber die ausdrückliche Erklärung abgegeben, dass Jesus der Erlöser sei. Andreas beschloss, Jesus zu folgen, aber Ezra lehnte den Zimmermann aus Nazareth mit seiner sanften Art ab und verkündete seinen Gefährten: „Der Prophet Daniel erklärt, dass der Menschensohn auf den Wolken des Himmels mit Macht und in großer Herrlichkeit daherkommen wird. Dieser galiläische Zimmermann, dieser Bootsbauer von Kapernaum kann nicht der Erlöser sein. Kann ein solches Geschenk Gottes aus Nazareth kommen? Dieser Jesus ist mit Johannes verwandt, und unser Lehrer hat sich wegen seiner großen Herzensgüte täuschen lassen. Wir wollen uns von diesem falschen Messias fernhalten.“ Als Johannes Ezra wegen dieser Äußerungen rügte, zog sich dieser mit vielen Jüngern zurück und eilte gen Süden. Und diese Gruppe fuhr fort, in Johannes‘ Namen zu taufen und gründete schließlich eine Sekte, deren Anhänger an Johannes glaubten, aber Jesus ablehnten. Ein Rest dieser Gruppe hat sich in Mesopotamien bis auf den heutigen Tag erhalten.

137:2.3

Als sich dieses Gewitter unter den Anhängern des Johannes zusammenbraute, waren Jesus und seine vier Jünger-Apostel auf ihrem Weg nach Galiläa schon ein gutes Stück vorangekommen. Bevor sie über den Jordan setzten, um über Nain nach Nazareth zu gelangen, erblickte Jesus, als er die Straße hinunterschaute, einen gewissen Philipp von Bethsaida, der ihnen mit einem Freund entgegenkamen. Jesus kannte Philipp von früher, und er war auch allen vier neuen Aposteln gut bekannt. Er war mit seinem Freund Nathanael unterwegs zu Johannes in Pella, um mehr über das angekündigte Kommen des Königreichs Gottes in Erfahrung zu bringen, und er war hocherfreut, Jesus zu begrüßen. Philipp war ein Bewunderer von Jesus, seit sich dieser in Kapernaum niedergelassen hatte. Aber Nathanael, der in Kana in Galiläa wohnte, kannte Jesus nicht. Philipp eilte voraus, um seine Freunde zu begrüßen, während Nathanel sich im Schatten eines Baumes am Straßenrand ausruhte.

137:2.4

Petrus nahm Philipp beiseite und setzte ihm auseinander, dass er selber sowie Andreas, Jakobus und Johannes alle Jesu Mitarbeiter im neuen Königreich geworden seien, und drängte Philipp nachdrücklich, ebenfalls freiwillig zu dienen. Philipp war in einer verzwickten Lage. Was sollte er tun? Hier, am Straßenrand nahe dem Jordan und ohne die geringste Vorwarnung, wurde zur sofortigen Entscheidung die wichtigste Frage eines ganzen Lebens an ihn herangetragen. Er befand sich jetzt in einem ernsten Gespräch mit Petrus, Andreas und Johannes, während Jesus Jakobus ihre Reiseroute durch Galiläa bis nach Kapernaum angab. Endlich schlug Andreas Philipp vor: „Wieso nicht den Lehrer selber fragen?“

137:2.5

Philipp dämmerte es plötzlich, dass Jesus wirklich ein großer Mann war, möglicherweise der Messias, und er beschloss, sich in dieser Angelegenheit Jesu Entscheidung anzuvertrauen; und er ging geradewegs zu ihm und fragte ihn: „Lehrer, soll ich zu Johannes hinuntergehen oder mich zu meinen Freunden gesellen, die dir folgen?“ Und Jesus gab zur Antwort: „Folge mir.“ Philipp war voller Erregung in der Gewissheit, den Erlöser gefunden zu haben.

137:2.6

Philipp gab der Gruppe einen Wink stehen zu bleiben, wo sie waren, und eilte zurück, um die Nachricht von seiner Entscheidung seinem Freund Nathanael zu bringen, der immer noch weiter hinten unter dem Maulbeerbaum verweilte und in Gedanken die vielen Dinge durchging, die er über Johannes den Täufer, das kommende Königreich und den erwarteten Messias gehört hatte. Philipp brach in diese Überlegungen mit dem Ausruf ein: „Ich habe den Erlöser gefunden, von dem Moses und die Propheten geschrieben haben und den Johannes verkündet hat.“ Nathanael schaute auf und fragte: „Woher kommt dieser Lehrer?“ Und Philipp antwortete: „Es ist Jesus von Nazareth, der Sohn Josephs, des Zimmermanns, der in der letzten Zeit in Kapernaum gewohnt hat.“ Darauf fragte Nathanael mit einiger Verwunderung: „Kann etwas so Gutes aus Nazareth kommen?“ Aber Philipp nahm ihn beim Arm und sagte: „Komm und schau!“

137:2.7

Philipp führte Nathanael zu Jesus, der dem aufrichtigen Zweifler mit Güte ins Gesicht sah und sagte: „Sieh da! ein wahrer Israelit, in dem kein Falsch ist. Folge mir.“ Und Nathanael wandte sich zu Philipp und sagte: „Du hast recht. Er ist wahrlich ein Gebieter der Menschen. Ich werde ihm ebenfalls folgen, wenn ich es wert bin.“ Und Jesus nickte Nathanael zu und wiederholte: „Folge mir!“

137:2.8

Jesus hatte nun die Hälfte seines künftigen Kreises enger Mitarbeiter versammelt; fünf von ihnen kannten ihn seit einiger Zeit, nur Nathanael war ein Fremder. Ohne weiteren Verzug setzten sie über den Jordan und gelangten über das Dorf Nain am späten Abend nach Nazareth.

137:2.9

Sie übernachteten alle bei Joseph in dem Hause von Jesu Knabenzeit. Jesu Mitarbeiter verstanden kaum, weshalb ihr neugefundener Lehrer so besorgt war, jegliche Spur des von ihm Geschriebenen, das im Haus in Form der zehn Gebote und anderer Worte und Sinnsprüche noch vorhanden war, radikal zu beseitigen. Aber dieses Vorgehen und die Tatsache, dass sie ihn später nie anders als in Staub oder in Sand schreiben sahen, hinterließ in ihnen einen tiefen Eindruck.


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