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Die Planetarischen Fürsten

OBWOHL die Planetarischen Fürsten zur Ordnung der Lanonandek-Söhne gehören, ist ihr Dienst von so spezialisierter Art, dass man sie gewöhnlich als eine Gruppe für sich betrachtet. Nach ihrer Beglaubigung als sekundäre Lanonandeks durch die Melchisedeks werden diese Söhne des Lokaluniversums den Reserven ihrer Ordnung auf den Konstellationshauptsitzen zugeteilt. Von hier aus machen sie sich auf Weisung der Systemsouveräne an mannigfaltige Aufgaben, bevor sie endlich einen Auftrag als Planetarische Fürsten erhalten und ausgesandt werden, um die sich entwickelnden bewohnten Welten zu regieren.

50:0.2

Das Signal für einen Systemsouverän, zur Bezeichnung eines Herrschers für einen gegebenen Planeten zu schreiten, ist der Empfang eines Ersuchens der Lebensbringer, dem Planeten, auf dem sie das Leben angesiedelt und intelligente evolutionäre Wesen entwickelt haben, ein Oberhaupt zur Übernahme der Verwaltung zu schicken. Allen von evolutionären sterblichen Geschöpfen bewohnten Planeten wird ein dieser Sohnesordnung angehörender planetarischer Herrscher zugeteilt.

1. Sendung der Fürsten

50:1.1

Abgesehen von der Inkarnation geschieht im Planetarischen Fürsten und in den ihn unterstützenden Brüdern die größtmögliche verpersönlichte Annäherung des Ewigen Sohnes des Paradieses an die niederen Geschöpfe von Zeit und Raum. Allerdings berührt der Schöpfersohn die Geschöpfe der Welten durch seinen Geist, aber der Planetarische Fürst gehört der letzten Ordnung persönlicher Söhne an, die vom Paradies bis zu den Menschenkindern hinunterreichen. Der Unendliche Geist tritt in den Personen der Schicksalshüter und anderer Engelswesen sehr nahe an euch heran; der Universale Vater bewohnt euch in der vorpersönlichen Gegenwart der Unergründlichen Mentoren; aber der Planetarische Fürst bedeutet die letzte Anstrengung des Ewigen Sohnes und seiner Söhne, sich euch zu nähern. Auf einer frisch bewohnten Welt ist der Planetarische Fürst der einzige Repräsentant vollständiger Göttlichkeit; denn er ist ein Spross des Schöpfersohnes, der seinerseits dem Universalen Vater und dem Ewigen Sohn entsprungen ist, und der Göttlichen Ministerin, der Universumstochter des Unendlichen Geistes.

50:1.2

Der Fürst einer jungen bewohnten Welt ist von einem ergebenen Mitar­beiterstab von Helfern und Assistenten und von einer Unzahl dienender Geiste umgeben. Aber die Mitglieder des leitenden Korps solch neuer Welten müssen den niedrigeren Ordnungen der Verwalter eines Systems entstammen, damit sie die planetarischen Probleme und Schwierigkeiten aufgrund ihrer Natur nachfühlen und verstehen können. Und all dieses Bemühen, den evolutionären Welten eine einfühlsame Regierung zu geben, bringt auch das erhöhte Risiko mit sich, dass diese beinah menschlichen Persönlichkeiten auf Abwege geraten, indem sie die eigenen Anschauungen über den Willen der Supremen Lenker stellen.

50:1.3

Da diese Söhne auf den einzelnen Planeten als Repräsentanten der Göttlich­keit völlig allein sind, werden sie auf eine harte Bewährungsprobe gestellt, und Nebadon hat unglücklicherweise unter mehreren Rebellionen gelitten. Bei der Erschaffung der Systemsouveräne und Planetarischen Fürsten wird eine Vorstellung personifiziert, die sich immer weiter vom Universalen Vater und vom Ewigen Sohn entfernt hat. Es besteht immer mehr die Gefahr, hinsichtlich der eigenen Wichtigkeit den Sinn für Proportionen zu verlieren, und desgleichen nimmt die Möglichkeit zu, eine angemessene Beurteilung der Werte und Beziehungen der zahlreichen Ordnungen göttlicher Wesen und ihrer Autoritätsstufen einzubüßen. Der Umstand, dass der Vater im Lokaluniversum nicht persönlich anwesend ist, stellt den Glauben und die Loyalität all dieser Söhne auf eine gewisse Probe.

50:1.4

Aber die Fürsten der Welten scheitern bei ihrer Sendung der Organisation und Verwaltung einer bewohnten Sphäre nicht oft, und ihr Erfolg erleichtert die spätere Sendung der Materiellen Söhne sehr, die kommen, um den primitiven Menschen der Welten die höheren Formen des Geschöpfeslebens aufzupfropfen. Ihre Herrschaft trägt auch viel dazu bei, die Planeten auf die noch später eintreffenden Paradies­-Söhne Gottes vorzubereiten, die die Welt richten und die aufeinander folgenden Dispensationen eröffnen.

2. Planetarische Verwaltung

50:2.1

Alle Planetarischen Fürsten unterstehen der universellen administrativen Oberhoheit Gabriels, des Regierungschefs Michaels, aber ihre unmittelbaren Vorgesetzten sind die Systemsouveräne, deren Regierungserlasse für sie bindend sind.

50:2.2

Die Planetarischen Fürsten können jederzeit den Rat der Melchisedeks, ihrer einstigen Lehrer und Betreuer, einholen, aber man verlangt von ihnen nicht willkürlich, um solche Hilfe nachzusuchen, und wenn diese nicht ausdrücklich erbeten wird, mischen sich die Melchisedeks nie in die planetarische Ver­waltung ein. Die Weltherrscher können auch die Versammlung der aus den Selbsthingabe-Welten des Systems stammenden vierundzwanzig Ratgeber um Rat angehen. Gegenwärtig sind all diese Ratgeber Satanias aus Urantia gebürtig. Und am Konstellationshauptsitz gibt es einen entsprechenden Rat der Siebzig, dessen Mitglieder ebenfalls den Reihen der evolutionären Wesen des Raums entnommen worden sind.

50:2.3

Die Regierung der evolutionären Planeten ist in ihren unstabilen Früh­phasen weitgehend autokratisch. Die Planetarischen Fürsten entnehmen ihrem Korps planetarischer Helfer die Mitglieder für ihre spezialisierten Mitar­beiter­gruppen. In der Regel umgeben sie sich mit einem höchsten Zwölferrat, aber auf den verschiedenen Welten wird dessen Wahl verschieden gehandhabt und setzt sich anders zusammen. Ein Planetarischer Fürst kann auch eines oder mehrere Mitglieder der dritten Ordnung seiner eigenen Sohnes­gruppe zu Assistenten haben und auf gewissen Welten manchmal einen sekundären Lanonandek seiner eigenen Ordnung.

50:2.4

Der gesamte Mitarbeiterstab eines Weltherrschers besteht aus Persön­lichkeiten des Unendlichen Geistes und bestimmten Typen höher entwickelter Wesen und aufsteigender Sterblicher aus anderen Welten. Solch ein Stab zählt im Durchschnitt etwa tausend Mitglieder, aber im Laufe der Entwicklung des Planeten kann dieses Korps auf hunderttausend oder mehr anwachsen. Immer wenn ein Bedarf nach mehr Helfern spürbar wird, haben die Planetarischen Fürsten sich nur an ihre Brüder, die Systemsouveräne, zu wenden, und dem Gesuch wird umgehend entsprochen.

50:2.5

Wesen, Organisation und Verwaltung der Planeten sind sehr unterschiedlich, aber alle verfügen über Gerichtshöfe. Das Gerichtswesen des Lokal­universums beginnt bei den Tribunalen eines Planetarischen Fürsten, denen ein Mitglied seines persönlichen Stabs vorsteht; die Urteile solcher Gerichte widerspiegeln eine höchst väterliche Haltung freien Ermessens. Alle Probleme, bei denen es um mehr als die Regelung von Fällen planetarischer Bewohner geht, können an die höheren Tribunale weiter gezogen werden, aber der Fürst behandelt die Angelegenheiten der Welt seiner Zuständigkeit weitgehend nach persönlichem Gutdünken.

50:2.6

Die wandernden Schlichterkommissionen dienen den planetarischen Gerichtshöfen und ergänzen sie, und sowohl geistige als auch physische Leiter müssen sich den Entscheiden der Schlichter fügen. Aber nie wird irgendetwas ohne die Zustimmung des Vaters der Konstellation willkürlich vollzogen, denn die „Allerhöchsten regieren in den Menschenreichen“.

50:2.7

Die einem Planeten zugewiesenen Überwacher und Umwandler sind auch fähig, mit Engeln und anderen himmlischen Wesensordnungen in einer Weise zusam­menzuarbeiten, die diese Persönlichkeiten für sterbliche Geschöpfe sichtbar werden lassen. Bei besonderen Gelegenheiten können sich die seraphischen Helfer und sogar die Melchisedeks für die Bewohner der evolutionären Welten sichtbar machen und tun es auch. Der Hauptgrund, weshalb man sterbliche Aufsteiger aus den Systemkapitalen kommen lässt und sie dem Stab des Plane­tarischen Fürsten einverleibt, liegt in der Erleichterung der Verständigung mit den Bewohnern der Welt.

3. Der körperliche Stab des Fürsten

50:3.1

Wenn ein Planetarischer Fürst sich auf eine junge Welt begibt, nimmt er üblicherweise eine Gruppe von freiwilligen aufsteigenden Wesen aus der Hauptwelt des Systems mit. Diese Aufsteiger stehen dem Fürsten als Berater und Helfer bei der Aufgabe der frühen Rassenverbesserung zur Seite. Dieses materielle Helferkorps bildet das Bindeglied zwischen dem Fürsten und den Rassen der Welt. Caligastia, der Fürst Urantias, besaß ein Korps von hundert solchen Helfern.

50:3.2

Diese freiwilligen Mitarbeiter sind Bürger einer Systemkapitale; aber keiner von ihnen hat mit dem ihm innewohnenden Justierer fusioniert. Während diese morontiellen Aufsteiger als freiwillige Diener vorübergehend in einen früheren materiellen Zustand zurückkehren, behalten ihre Justierer weiterhin den Status von Wesen mit Wohnrecht auf der Systemhauptwelt.

50:3.3

Die Lebensbringer, die Architekten der Gestalt, versehen diese Freiwilligen für die Dauer ihres planetarischen Aufenthaltes mit neuen physischen Körpern. Diese persönlichen Gestalten sind gegen die üblichen Krankheiten der Welten gefeit, aber wie die frühen morontiellen Körper gewissen Unfällen mechanischer Natur ausgesetzt.

50:3.4

Der körperliche Stab des Fürsten wird gewöhnlich im Zusammenhang mit dem bevorstehenden Weltgericht zur Zeit der Ankunft des zweiten Sohnes vom Planeten abgezogen. Vor ihrem Weggehen treten die Helfer gewöhnlich ihre vielfältigen Aufgaben an ihre gemeinsamen Nachkommen und an gewisse höher stehende einheimische Freiwillige ab. Auf Welten, auf denen es den Helfern des Fürsten gestattet wurde, sich mit den höher stehenden Gruppen der einheimischen Rassen zu paaren, werden meistens diese Sprösslinge ihre Nachfolger.

50:3.5

Nur selten paaren sich die Helfer der Planetarischen Fürsten mit den Ras­sen der Welt, hingegen immer untereinander. Aus diesen Verbindungen gehen zwei Klassen von Wesen hervor: erstens der primäre Typus von Mittler-Geschöpfen und zweitens gewisse hohe Typen materieller Wesen, die fortfahren, dem Mitarbeiterstab des Fürsten anzugehören, nachdem ihre Eltern zur Zeit der Ankunft eines Adams und einer Eva vom Planeten abgezogen wurden. Diese Kinder paaren sich nicht mit den Angehörigen der sterblichen Rassen außer in gewissen Notsituationen, und auch dann nur auf Weisung des Planetarischen Fürsten. In einem solchen Fall besitzen ihre Kinder – die Enkelkinder der Angehörigen des körperlichen Stabs – denselben Status wie die Angehörigen der höheren Rassen ihrer Zeit und Generation. Alle Nachkommen dieser halbmateriellen Helfer des Planetarischen Fürsten werden von Justierern bewohnt.

50:3.6

Wenn am Ende der Dispensation des Fürsten für seinen „Stab der Rück­kehrer“ die Stunde der Heimkehr auf die Systemhauptwelt zur Wieder­auf­nahme der Paradies-Laufbahn schlägt, melden sich diese Aufsteiger bei den Lebens­bringern, um ihrer materiellen Körper ledig zu werden. Sie gehen in den Über­gangsschlummer ein und, von ihrer sterblichen Hülle befreit und in eine morontielle Gestalt gekleidet, wachen sie wieder auf. Sie sind nun bereit, durch seraphischen Transport auf die Sy­stemkapitale zurückgebracht zu werden, wo ihre von ihnen getrennten Justierer auf sie warten. Sie liegen jetzt um eine ganze Dispensation hinter ihrer Klasse auf Jerusem zurück, sind aber um eine einzigartige und außergewöhnliche Erfahrung, um ein seltenes Kapitel im Werdegang eines aufsteigenden Sterblichen, reicher geworden.

4. Der planetarische Hauptsitz und seine Schulen

50:4.1

Schon früh organisiert der körperliche Stab des Fürsten die planetarischen Schulen der Fortbildung und Kultur, an denen die Elite der evolutionären Rassen ausgebildet und dann ausgesandt wird, um ihre jeweiligen Völker in einer besseren Lebensweise zu unterweisen. Diese Schulen des Fürsten befinden sich am materiellen Hauptsitz des Planeten.

50:4.2

Ein großer Teil der physischen Arbeit zur Errichtung dieser Hauptstadt wird vom körperlichen Stab verrichtet. Solche Hauptstädte oder -niederlassungen der Frühzeit eines Planetarischen Fürsten sind weit entfernt von dem, was sich ein Sterblicher Urantias darunter vorstellen könnte. Im Vergleich zu späteren Zeitaltern sind sie einfach. Ihre Merkmale sind mineralischer Schmuck und eine relativ fortgeschrittene materielle Bauweise. All das steht im Gegensatz zum adamischen Regime, dessen Zentrum und Hauptsitz in einem Garten liegt, von wo aus die Adame ihr Werk zugunsten der Rassen während der zweiten Dispensation der Universumssöhne verfolgen.

50:4.3

In der Hauptniederlassung eurer Welt war jede menschliche Behausung von reichlich Land umgeben. Während die fernen Volksstämme weiterhin auf die Jagd und auf Nahrungssuche gingen, waren an den Schulen des Fürsten alle Studenten und Lehrer Landwirte und Gärtner. Die Zeit wurde etwa zu gleichen Teilen auf die folgenden Tätigkeiten verwendet:

50:4.4

1. Physische Arbeit. Bebauung des Bodens, verbunden mit Errichtung und Verschönerung des Heims.

50:4.5

2. Soziale Aktivitäten. Spielerische Darbietungen und kulturelle gesellige Gruppierungen.

50:4.6

3. Angewandte Erziehung. Individueller Unterricht, verbunden mit einer den Familienverband betreffenden Unterweisung und ergänzt durch eine spezialisierte Schulung in Klassen.

50:4.7

4. Berufliche Ausbildung. Schulen für Heirat und Führung des Heims, die Schulen zur Ausbildung in Kunst und Kunsthandwerk und die Klassen zur Ausbildung weltlicher, kultureller und religiöser Lehrer.

50:4.8

5. Geistige Kultur. Die brüderliche Gemeinschaft der Lehrer, die geistige Erhellung der Kindheit und der Jugendgruppen und die Ausbildung adoptierter einheimischer Kinder zu Missionaren bei ihren Völkern.

50:4.9

Ein Planetarischer Fürst ist für die sterblichen Wesen unsichtbar; deren Glaube wird auf die Probe gestellt, sollen sie die Schilderungen der halbmateriellen Wesen des Stabs für wahr halten. Aber diese Schulen der Kultur und Ausbildung sind den Bedürfnissen jedes Planeten gut angepasst, und unter den Menschenrassen entwickelt sich alsbald ein lebhafter und löblicher Wettstreit im Bemühen, in diese verschiedenen Lehranstalten Einlass zu finden.

50:4.10

Von einem derartigen Weltzentrum der Kultur und Verwirklichung strahlt allmählich zu allen Völkern ein hebender und zivilisierender Einfluss aus, der die evolutionären Rassen langsam, aber sicher verwandelt. Inzwischen sind die erzogenen und geistiger gewordenen Kinder der umgebenden Völker, die adoptiert und in den Schulen des Fürsten ausgebildet wurden, zu ihren Volksgruppen zurückgekehrt und richten dort nach bestem Vermögen neue und einflussreiche Zentren des Lernens und der Kultur ein, die sie nach dem Vorbild der fürstlichen Schulen betreiben.

50:4.11

Auf Urantia waren die Pläne für planetarischen Fortschritt und kulturelle Förderung schon gut vorangekommen und zeitigten sehr befriedigende Ergebnisse, aber die ganze Unternehmung nahm ein eher plötzliches und höchst unrühmliches Ende, als Caligastia sich der Rebellion Luzifers anschloss.

50:4.12

Eine der für mich zutiefst schockierenden Episoden dieser Rebellion war, als ich vom kaltblütigen Verrat Caligastias, eines Angehörigen meiner eigenen Sohnesordnung, erfuhr, der vorsätzlich und in böser Absicht den in allen damals funktionierenden planetarischen Schulen Urantias erteilten Unterricht methodisch verdrehte und das Gelehrte vergiftete. Diese Schulen gingen rasch und vollständig zugrunde.

50:4.13

Viele der Kinder der zum materialisierten Stab des Fürsten gehörenden Aufsteiger blieben treu und verließen die Reihen Caligastias. Diese Loyalisten wurden durch die auf Urantia als Treuhänder weilenden Melchisedeks ermutigt, und in späterer Zeit unternahmen ihre Nachfahren viel, um die planetarischen Vorstellungen von Wahrheit und Rechtschaffenheit hochzuhalten. Das Wirken dieser treuen Verkündiger der Botschaft half, die vollkommene Auslöschung der geistigen Wahrheit auf Urantia zu verhindern. Diese mutigen Seelen und ihre Nachkommen hielten das Wissen um die Herrschaft des Vaters am Leben und bewahrten für die Rassen der Welt die Vorstellung von den aufeinander folgenden Dispensationen der verschiedenen Ordnungen göttlicher Söhne.

5. Fortschreitende Zivilisation

50:5.1

Die loyalen Fürsten der bewohnten Welten bleiben dauernd an die ihnen ursprünglich zugewiesenen Planeten gebunden. Die Paradies-Söhne mit ihren Di­spensationen kommen und gehen, aber ein erfolgreicher Planetarischer Fürst fährt fort, seine Welt zu lenken. Sein Werk ist völlig unabhängig von den Missionen der höheren Söhne, da es die Entwicklung der planetarischen Zivilisation zur Aufgabe hat.

50:5.2

Es gibt kaum zwei Planeten, auf denen der Fortschritt der Zivilisation gleich verläuft. Die Einzelheiten der sich entfaltenden Evolution der Sterblichen sind auf den zahlreichen ungleichen Welten sehr verschieden. Trotz der vielen Unterschiede auf physischem, intellektuellem und sozialem Gebiet entwickeln sich alle evolutionären Sphären in ganz bestimmte, genau definierte Richtungen.

50:5.3

Unter der gütigen Regierung eines Planetarischen Fürsten, die durch den Beitrag der Materiellen Söhne bereichert und periodisch von den Sendungen der Paradies-Söhne markiert wird, durchlaufen die sterblichen Rassen auf einer durchschnittlichen Welt von Zeit und Raum nacheinander die folgenden sieben Entwicklungsepochen:

50:5.4

1. Die Ernährungsepoche. Die vormenschlichen Geschöpfe und die ganz frühen primitiven Menschenrassen sind hauptsächlich mit Nahrungsproblemen beschäftigt. Diese in Entwicklung begriffenen Wesen verbringen ihre wache Zeit auf Nahrungssuche oder im Kampf, als Angreifer oder Verteidiger. Die Nahrungsbeschaffung ist in den Gemütern dieser frühen Ahnen der späteren Zivilisation allbeherrschend.

50:5.5

2. Das Sicherheitszeitalter. Sobald sich der primitive Jäger bei der Nah­rungs­suche etwas Zeit erübrigen kann, verwendet er diese Muße zur Erhöhung seiner Sicherheit. Der Kriegstechnik wird immer größere Aufmerk­samkeit geschenkt. Die Behausungen werden befestigt, und die Sippen werden solider aus gegenseitiger Furcht und eingepflanztem Hass gegen fremde Gruppen. Selbst-Schutz ist ein Bedürfnis, das immer auf Selbst-Erhaltung folgt.

50:5.6

3. Die Ära materiellen Komforts. Nachdem die Nahrungsprobleme teilweise gelöst und ein gewisses Maß an Sicherheit erreicht ist, wird die neugewonnene Freizeit zur Hebung des persönlichen Komforts benutzt. Der Luxus wetteifert mit den dringendsten Lebensbedürfnissen, um auf der Bühne der menschlichen Aktivitäten die erste Rolle zu spielen. Ein solches Zeitalter trägt nur allzu oft die Züge der Tyrannei, Intoleranz, Schlemmerei und Trunksucht. Die schwächeren Elemente der Rassen neigen zu Exzessen und Brutalität. Schrittweise werden diese vergnügungssüchtigen Schwächlinge durch die stärkeren und wahrheitsliebenden Elemente der vorrückenden Zivilisation gebändigt.

50:5.7

4. Die Suche nach Wissen und Weisheit. Nahrung, Sicherheit, Vergnügen und Freizeit liefern die Grundlage, auf der die Kultur sich entwickeln und das Wissen sich ausbreiten kann. Die Anstrengung, das Wissen praktisch anzuwenden, hat Weisheit zur Folge, und wenn eine Kultur gelernt hat, aus der Erfahrung Nutzen zu ziehen und durch sie besser zu werden, ist die Zivilisation wirklich erschienen. Immer noch beherrschen Nahrung, Sicherheit und materieller Komfort die Gesellschaft, aber viele vorausblickende Einzelne hungern nach Wissen und dürsten nach Weisheit. Jedes Kind erhält Gelegenheit zum Lernen durch Tun; Erziehung ist das Losungswort dieser Zeitalter.

50:5.8

5. Die Epoche der Philosophie und Brüderlichkeit. Wenn die Sterblichen zu denken lernen und anfangen, aus ihren Erfahrungen Nutzen zu ziehen, werden sie philosophisch – sie beginnen, mit sich selber vernünftig zu reden und sich in einem differenziert wertenden Urteil zu üben. Die Gesellschaft dieses Zeitalters wird ethisch, und die Sterblichen einer solchen Ära werden im wahren Sinne sittliche Wesen. Auf einer sich so entwickelnden Welt werden weise sittliche Wesen fähig, die menschliche Brüderlichkeit zu verwirklichen. Ethische und sittliche Wesen können lernen, gemäß der goldenen Regel zu leben.

50:5.9

6. Das Zeitalter geistigen Strebens. Wenn die sich entwickelnden Sterblichen durch die physische, intellektuelle und soziale Entwicklungsphase gegangen sind, erreichen sie früher oder später jene Ebenen persönlicher Erkenntnis, wo sie sich gedrängt fühlen, nach geistiger Befriedigung und kosmischem Verstehen zu suchen. Die Religion vervollständigt den Aufstieg aus den gefühlsmäßigen Bereichen von Furcht und Aberglauben zu den hohen Ebenen kosmischer Weisheit und persönlicher geistiger Erfahrung. Erziehung zielt darauf ab, Bedeutungen zu erfassen, und Kultur strebt nach kosmischen Zusammenhängen und wahren Werten. Sich in dieser Richtung bewegende Sterbliche besitzen echte Kultur, sind wahrhaft erzogen und kennen Gott auf sublime Weise.

50:5.10

7. Die Ära des Lichts und Lebens. Dies ist das Blühen der aufeinander folgenden Zeitalter physischer Sicherheit, intellektuellen Wachstums, gesellschaftlicher Kultur und geistigen Vollbringens. All diese menschlichen Leistungen werden jetzt in kosmischer Einheit und selbstlosem Dienen vermischt, verbunden und koordiniert. Innerhalb der Schranken der endlichen Natur und der materiellen Begabungen eröffnen sich den vorrückenden Generationen, die sich auf diesen himmlischen und stabilisierten Welten von Zeit und Raum ablösen, unbegrenzte Möglichkeiten evolutionären Vollbringens.

50:5.11

Nachdem die Planetarischen Fürsten ihren Sphären während der aufeinander folgenden Dispensationen der Weltgeschichte und durch all die fortschreitenden Epochen planetarischen Werdens hindurch gedient haben, werden sie nach der Einweihung der Ära des Lichts und Lebens in die Position von Planetarischen Souveränen erhoben.

6. Planetarische Kultur

50:6.1

Die Isolierung Urantias macht es unmöglich, an eine Darstellung von vielen Einzelheiten des Lebens und der Umwelt eurer Nachbarn in Satania zu denken. Bei diesen Darstellungen auferlegen uns planetarische Quarantäne und Isolierung des Systems gewisse Beschränkungen. Wir müssen uns bei unseren Bemühungen um Erleuchtung der Sterblichen Urantias an diese Restriktionen halten, aber im Rahmen des Erlaubten seid ihr über den Fortschritt auf einer durchschnittlichen evolutionären Welt ins Bild gesetzt worden und dadurch in der Lage, den Werdegang einer solchen Welt mit dem gegenwärtigen Zustand Urantias zu vergleichen.

50:6.2

Die Entwicklung der Zivilisation auf Urantia hat sich nicht so sehr von derjenigen anderer Welten unterschieden, denen ebenfalls das Unglück geistiger Isolierung widerfahren ist. Aber verglichen mit den loyalen Welten des Universums erscheint euer Planet höchst wirr und in allen Phasen intellektuellen Fortschritts und geistigen Vollbringens in hohem Maße zurückgeblieben.

50:6.3

Infolge eurer planetarischen Missgeschicke seid ihr Urantianer daran gehindert, sehr viel von der Kultur normaler Welten zu verstehen. Aber ihr solltet euch die evolutionären Welten, sogar die idealsten, nicht als Sphären vorstellen, auf denen das Leben ein behagliches Rosenbett ist. Das Leben der sterblichen Rassen ist zu Beginn stets von Kampf begleitet. Anstrengung und Entscheidung haben einen wesentlichen Anteil am Erwerb der zum Fortleben erforderlichen Werte.

50:6.4

Kultur setzt Qualität des Denkens voraus; Kultur kann in Abwesenheit hoher Denkart nicht gehoben werden. Ein höherstehender Intellekt wird nach einer edlen Kultur suchen und irgendeinen Weg finden, auf dem dieses Ziel zu erreichen ist. Tieferstehende Gemüter werden die höchste Kultur selbst dann verachten, wenn sie ihnen in fertiger Gestalt vorgesetzt wird. Viel hängt auch von den aufeinander folgenden Sendungen der göttlichen Söhne ab und vom Ausmaß, in welchem die Zeitalter, die ihren Dispensationen entsprechen, die Erleuchtung empfangen.

50:6.5

Ihr solltet nicht vergessen, dass infolge der Rebellion Luzifers seit zweihunderttausend Jahren über alle Welten Satanias der geistige Bann Norlatiadeks verhängt ist. Und es wird Zeitalter über Zeitalter erfordern, um die aus Sünde und Abfall hervorgegangenen Behinderungen wettzumachen. Infolge der doppelten Tragödie eines rebellischen Planetarischen Fürsten und eines fehlbaren Materiellen Sohnes folgt eure Welt immer noch einer ungewöhnlichen und bewegten Bahn. Nicht einmal die Selbsthingabe von Christus Michael auf Urantia beseitigte unverzüglich die zeitlichen Auswirkungen der bei der einstigen Verwaltung der Welt begangenen schweren Fehler.

7. Die Belohnungen der Isolierung

50:7.1

Auf den ersten Blick möchte es scheinen, als bedeute es für Urantia und die mit ihr isolierten Welten ein großes Unglück, der wohltätigen Gegenwart und des Einflusses solch übermenschlicher Persönlichkeiten wie eines Planetarischen Fürsten oder eines Materiellen Sohnes und einer Materiellen Tochter beraubt zu sein. Aber die Isolierung dieser Sphären bietet ihren Rassen eine einzigartige Gelegenheit, ihren Glauben zu üben und eine ganz besondere Art des Vertrauens in die kosmische Verlässlichkeit zu entwickeln, ohne sich auf Sichtbares oder irgendetwas anderes Materielles berufen zu können. Vielleicht wird sich am Ende herausstellen, dass menschliche Geschöpfe aus Welten, die wegen Rebellion unter Quarantäne gerieten, vom Glück sehr begünstigt wurden. Wir haben die Entdeckung gemacht, dass solchen Aufsteigern schon sehr früh bei kosmischen Unternehmungen zahlreiche besondere Aufgaben anvertraut werden, bei denen unbedingter Glaube und sublimes Vertrauen wesentliche Voraussetzung für das Gelingen sind.

50:7.2

Auf Jerusem bewohnen die Aufsteiger aus den isolierten Welten einen ihnen vorbehaltenen Sektor und werden Agondonter genannt. Das bedeutet soviel wie evolutionäre Willensgeschöpfe, die imstande sind zu glauben, ohne zu sehen, durchzuhalten, wenn sie abgeschnitten sind, und über unüberwindlich scheinende Schwierigkeiten zu triumphieren, auch wenn sie allein sind. Der funktionelle Zusammenschluss der Agondonter dauert während ihres ganzen Aufstiegs durch das Lokaluniversum und während des ganzen Durchlaufens des Superuniversums; er verschwindet während des Aufenthaltes in Havona, tritt aber nach Erreichen des Paradieses sogleich wieder in Kraft und wird im Finalitätskorps der Sterblichen definitiv. Tabamantia ist ein Agondonter mit dem Status eines Finalisten, ein Fortlebender aus einer unter Quarantäne stehenden Sphäre, die in die erste jemals in den Universen von Zeit und Raum ausgebrochene Rebellion verwickelt war.

50:7.3

Auf dem ganzen Weg zum Paradies folgt auf Anstrengung die Belohnung wie auf Ursache die Wirkung. Solche Belohnungen heben den Einzelnen vom Mittelmaß ab, verschaffen abweichende Geschöpfeserfahrungen und tragen im kollektiven Körper der Finalisten zur Vielseitigkeit der ultimen Leistungen bei.

50:7.4

[Verfasst von einem Sekundären Lanonandek-Sohn des Reservekorps.]


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