◄ Schrift 109
Teil 3 ▲
Schrift 111 ►
Schrift 110

Beziehung der Justierer zu den einzelnen Sterblichen

DIE Gewährung der Freiheit an unvollkommene Wesen führt unvermeidlich zu Tragödien, und es liegt im Wesen der vollkommenen Vater-Gottheit, diese Leiden universell und mitfühlend als liebevoller Gefährte zu teilen.

110:0.2

Soweit ich mit den Angelegenheiten eines Universums vertraut bin, betrachte ich die Liebe und Hingabe eines Gedankenjustierers als die wahrhaft göttlichste Zuneigung in der ganzen Schöpfung. Die Liebe der Söhne in ihrem Dienst an den Rassen ist wunderbar, aber die Hingabe eines Justierers an ein Einzelwesen ist auf rührende Weise sublim und von göttlicher Väterlichkeit. Der Paradies-Vater hat sich offensichtlich diese Form persönlichen Kontaktes mit seinen einzelnen Geschöpfen als ein ausschließliches Schöpfervorrecht vorbehalten. Und es gibt im ganzen Universum der Universen nichts, was sich genau mit dem wundervollen Dienen dieser unpersönlichen Wesenheiten vergleichen ließe, die den Kindern der evolutionären Planeten auf so berückende Weise innewohnen.

1. Bewohnen des menschlichen Verstandes

110:1.1

Man sollte nicht denken, dass die Justierer im materiellen Hirn menschlicher Wesen leben. Sie sind keine organischen Bestandteile der physischen Geschöpfe der Welten. Zutreffender ist die Vorstellung, dass der Gedanken­justierer dem vergänglichen Verstand des Menschen innewohnt und nicht in den engen Grenzen eines einzigen physischen Organs existiert. Und indirekt und unerkannt kommuniziert der Justierer ständig mit seinem menschlichen Schutzbefohlenen, ganz besonders während jener sublimen Erfahrungen anbetenden Kontaktes zwischen Verstand und Geist im Überbewusstsein.

110:1.2

Ich wünschte, es wäre mir möglich, den sich entwickelnden Sterblichen zu helfen, zu einem besseren Verständnis und einer volleren Würdigung des selbstlosen und großartigen Werks der in ihnen lebenden Justierer zu gelangen, die der Aufgabe, am geistigen Wohl des Menschen zu arbeiten, so treu ergeben sind. Die Justierer sind wirksame Förderer der höheren Phasen des menschlichen Verstandes; sie sind weise und erfahrene Manipulierer des geistigen Potentials des menschlichen Intellekts. Diese himmlischen Helfer haben sich der gewaltigen Aufgabe verschrieben, euch sicher einwärts und aufwärts bis in den himmlischen Hafen der Glückseligkeit zu geleiten. Diese unermüdlichen Arbeiter widmen sich ganz der künftigen Herbeiführung des Triumphs der göttlichen Wahrheit in eurem ewigen Leben. Sie sind die wachsamen Lotsen, die den gottesbewussten menschlichen Verstand von den Klippen des Übels wegsteuern und die sich entwickelnde Seele des Menschen zu den göttlichen Häfen der Vollkommenheit an weit entfernten, ewigen Gestaden geleiten. Die Justierer sind liebevolle Führer, die euch sicher und zuverlässig durch die dunklen und ungewissen Irrgärten eures kurzen irdischen Lebensweges geleiten; sie sind die geduldigen Lehrer, die ihre Schützlinge so unablässig drängen, auf den Pfaden der Vervollkommnung voranzuschreiten. Sie sind die sorgsamen Hüter der erhabenen Werte des Geschöpfescharakters. Ich möchte, ihr könntet sie mehr lieben, rückhaltloser mit ihnen zusammenarbeiten und ihnen innigere Zuneigung entgegenbringen.

110:1.3

Obwohl die Hauptsorge der göttlichen Bewohner eurer geistigen Vorberei­tung auf die nächste Etappe der nie endenden Existenz gilt, zeigen sie auch ein tiefes Interesse an eurem zeitlichen Wohlergehen und an euren wahren Vollbringungen auf Erden. Mit Wonne tragen sie zu eurer Gesundheit, eurem Glücklichsein und eurer wahren Prosperität bei. Euer Erfolg in allen Angele­genheiten planetarischen Fortschritts, die eurem zukünftigen Leben ewigen Fortschritts nicht abträglich sind, lässt sie nicht ungerührt.

110:1.4

Die Justierer schenken eurem täglichen Tun und den mannigfachen Einzel­heiten eures Lebens genau in dem Maße Interesse und Aufmerksamkeit, als diese einen bestimmenden Einfluss auf eure bedeutungsvollen zeitlichen Ent­scheide und geistigen Entschließungen ausüben und daher Faktoren bei der Lösung eurer Probleme des Fortlebens der Seele und des ewigen Fortschritts sind. Während der Justierer sich hinsichtlich des rein zeitlichen Wohlergehens passiv verhält, ist er in allem, was eure ewige Zukunft betrifft, göttlich aktiv.

110:1.5

Der Justierer bleibt in allem Unglück bei euch und während jeder Krankheit, welche die Denkfähigkeit nicht völlig zerstört. Aber wie grausam ist es doch, den physischen Körper, der diesem wunderbaren Gottesgeschenk als irdisches Tabernakel dienen muss, wissentlich zu beschmutzen oder anderswie vorsätzlich zu verunreinigen! Alle physischen Gifte verzögern gewaltig die Anstrengungen des Justierers, das menschliche Denken zu heben, während die mentalen Gifte wie Angst, Zorn, Neid, Eifersucht, Argwohn und Unduldsamkeit sich dem geistigen Fortschritt der sich entwickelnden Seele als ebenso furchtbare Hindernisse in den Weg legen.

110:1.6

Ihr durchschreitet jetzt die Phase, in der euer Justierer euch den Hof macht. Wenn ihr euch nur des Vertrauens würdig zeigt, das der göttliche Geist in euch setzt, der euren Verstand und eure Seele im Hinblick auf die ewige Vereinigung begehrt, wird sich letzten Endes jenes morontielle Einssein einstellen, jene himmlische Harmonie, kosmische Koordination, göttliche Einstimmung, beseeligende Fusion, unaufhörliche Identitätsvermischung und Einheit des Seins, die so vollkommen und endgültig sind, dass selbst die erfahrensten Persönlichkeiten die Fusionspartner – den sterblichen Menschen und den göttlichen Justierer – nie mehr auseinander halten oder als getrennte Identitäten wahrnehmen können.

2. Justierer und menschlicher Wille

110:2.1

Wenn die Gedankenjustierer in einen menschlichen Verstand einziehen, bringen sie ein Modell des Werdegangs, ein ideales Leben mit sich, wie sie und die Personifizierten Justierer Diviningtons es bestimmt, im Voraus festgelegt haben, und wie es vom Personifizierten Justierer Urantias bestätigt wurde. Sie gehen also mit einem ganz klaren, zuvor bestimmten Plan für die intellektuelle und geistige Entwicklung ihres menschlichen Schutzbefohlenen ans Werk, aber kein menschliches Wesen ist verpflichtet, diesen Plan anzunehmen. Ihr seid alle der Vorherbestimmung unterworfen, aber es ist nicht im Voraus festgelegt, dass ihr diese göttliche Prädestination annehmen müsst; ihr habt volle Freiheit, jeden beliebigen Teil des Programms des Gedankenjustierers oder dieses in seiner Gesamtheit zu verwerfen. Es ist Aufgabe der Mentoren, im Verstand solche Veränderungen hervorzurufen und geistige Anpassungen vorzunehmen, hinter die sich euer Wille und eure Intelligenz stellen können, und dadurch größeren Einfluss auf die Ausrichtung eurer Persönlichkeit zu gewinnen; aber unter gar keinen Umständen nutzen die göttlichen Mentoren euch je aus oder beeinflussen euch willkürlich in eurem Wählen und Entscheiden. Die Justierer respektieren die Souveränität eurer Persönlichkeit; sie unterwerfen sich stets eurem Willen.

110:2.2

Sie sind in ihren Arbeitsmethoden ausdauernd, einfallsreich und vollkommen, aber sie tun dem mit Willen begabten Selbst ihres Gastwirts nie Gewalt an. Kein menschliches Wesen wird je von einem göttlichen Mentor gegen seinen Willen vergeistigt werden; das Fortleben ist ein Geschenk der Götter, das von den Geschöpfen der Zeit gewünscht werden muss. Was immer auch dem Justierer für euch zu tun gelungen ist, so werden die Protokolle zeigen, dass die Verwandlung letztlich mit eurer kooperativen Einwilligung vollbracht worden ist; dass ihr ein williger Partner des Justierers beim Erreichen jeder Stufe der gewaltigen Umwandlung der aufsteigenden Laufbahn gewesen seid.

110:2.3

Der Justierer versucht nicht, euer Denken als solches zu kontrollieren, sondern vielmehr, es zu vergeistigen und ihm einen Ewigkeitscharakter zu verleihen. Weder Engel noch Justierer gehen darauf aus, menschliches Denken direkt zu beeinflussen; das ist das ausschließliche Vorrecht der Persönlichkeit. Die Justierer arbeiten mit Hingabe an der Verbesserung, Änderung, Einstimmung und Koordinierung eures Denkprozesses; aber auf speziellere, gezieltere Weise widmen sie sich im Hinblick auf das Fortleben dem Aufbau eines geistigen Gegenstücks zu eurem Werdegang, einer morontiellen Transkription eures wahren vorrückenden Selbst.

110:2.4

Die Justierer arbeiten in den Sphären der höheren Ebenen des menschlichen Verstandes und versuchen unablässig, von jedem Konzept des irdischen Intellekts morontielle Doppel anzufertigen. Es gibt infolgedessen zwei Realitäten, die auf die menschlichen Verstandeskreisläufe einwirken und ihr Zentrum darin haben: Die eine ist ein sterbliches Selbst, das durch Evolution aus den ursprünglichen Plänen der Lebensbringer hervorgegangen ist, die andere eine unsterbliche Wesenheit aus den hohen Sphären Diviningtons, ein innewohnendes Geschenk Gottes. Aber das Selbst des Sterblichen ist auch ein persönliches Selbst; es besitzt Persönlichkeit.

110:2.5

Als persönliche Geschöpfe habt ihr Verstand und Willen. Als ein vorpersönliches Geschöpf hat der Justierer Vorverstand und Vorwillen. Wenn ihr euch dem Verstand des Justierers so völlig fügt, dass ihr mit ihm übereinstimmt, wird euer Verstand mit dem seinen eins, und ihr erhaltet die Verstärkung des Justierer­verstandes. Wenn euer Wille danach die Ausführung der Beschlüsse dieses neuen oder kombinierten Verstandes befiehlt und ausführt, gelangt des Justierers vorpersönlicher Wille durch euren Entschluss zu persönlichem Ausdruck, und was dieses besondere Projekt angeht, seid ihr und der Justierer eins. Euer Verstand hat die Einstimmung auf die Göttlichkeit vollzogen, und der Wille des Justierers hat persönlichen Ausdruck gefunden.

110:2.6

Je nach dem Ausmaß der Verwirklichung dieser Identität nähert ihr euch mental der morontiellen Existenzordnung. Der Ausdruck ‚morontieller Verstand‘ steht für die Substanz und Summe der Zusammenarbeit zwischen einem Verstand materieller und einem Verstand geistiger Natur. Im Lokaluniversum bedeutet also ‚morontieller Intellekt‘ einen doppelten Verstand, der von einem einzigen Willen beherrscht wird. Und bei den Sterblichen ist dies ein ursprünglich menschlicher Wille, der dadurch göttlich wird, dass der Mensch seinen menschlichen Verstand mit der Verstandesart Gottes identifiziert.

3. Zusammenarbeit mit dem Justierer

110:3.1

Die Justierer spielen das heilige und herrliche Spiel der Zeitalter; sie befinden sich in einem der allerhöchsten Abenteuer der Zeit im Raum. Und wie glücklich sind sie, wenn eure Mitarbeit ihnen erlaubt, euch in euren kurzen Kämpfen der Zeit beizustehen, während sie ihre größeren Aufgaben der Ewigkeit weiterverfolgen! Aber wenn euer Justierer mit euch zu kommunizieren versucht, verliert sich seine Botschaft gewöhnlich in den Wirbeln der Energieströme des menschlichen Denkorgans; nur gelegentlich fangt ihr ein Echo auf, ein schwaches und fernes Echo der göttlichen Stimme.

110:3.2

Der Erfolg eures Justierers beim Unternehmen, euch durch das irdische Leben zu steuern und euer Fortleben zustande zu bringen, hängt nicht so sehr von den Theorien des von euch Geglaubten als vielmehr von euren Entscheidungen ab, von eurer Entschlossenheit und eurem festen Glauben. All diese Bestrebungen der wachsenden Persönlichkeit werden zu mächtigen Einflüssen, die euren Fortschritt begünstigen, weil sie euch helfen, mit dem Justierer zusammenzuarbeiten; sie helfen euch, euren Widerstand aufzugeben. Die Gedankenjustierer sind in ihren irdischen Unternehmungen genau in dem Maße erfolgreich oder scheinbar erfolglos, wie es den Sterblichen gelingt oder misslingt, mit dem Plan zusammenzuarbeiten, der sie auf dem aufsteigenden Pfad zur Erlangung der Vollkommenheit vorwärts bringen soll. Das Geheimnis des Fortlebens liegt im glühenden menschlichen Wunsch, gottgleich zu sein, und in der damit verbundenen Bereitwilligkeit, alles zu tun und zu sein, was für die schließliche Erfüllung dieses alles beherrschenden Wunsches wesentlich ist.

110:3.3

Wenn wir vom Erfolg oder Scheitern eines Justierers sprechen, sprechen wir vom Standpunkt des menschlichen Fortlebens aus. Justierer scheitern nie ; sie sind von göttlicher Essenz, und sie gehen aus all ihren Unternehmungen siegreich hervor.

110:3.4

Ich kann mich nicht enthalten zu sagen, dass so manche von euch so viele Zeit und Gedanken an unbedeutende Gegenstände des Lebens verschwenden, während sie die wesentlicheren Realitäten von ewiger Wichtigkeit fast völlig übersehen, eben jene Leistungen, bei denen es um die Entwicklung einer harmonischeren Zusammenarbeit zwischen ihnen und ihrem Justierer geht. Das große Ziel der menschlichen Existenz ist die Einstimmung auf die Göttlichkeit des innewohnenden Justierers; die große Vollbringung des irdischen Lebens ist es, zu einer wahren und verstehenden Hingabe an die ewigen Ziele des göttlichen Geistes zu gelangen, der in eurem Verstand wartet und arbeitet. Aber ein hingebungsvoller und entschlossener Einsatz zur Verwirklichung der ewigen Bestimmung ist durchaus vereinbar mit einem leichtherzigen und fröhlichen Leben und mit einer erfolgreichen und ehrenvollen Laufbahn auf Erden. Die Zusammenarbeit mit dem Gedankenjustierer umfasst weder Selbstkasteiung noch Scheinfrömmigkeit oder geheuchelte und auffällige Selbsterniedrigung; das ideale Leben ist eher ein Leben liebevollen Dienens als ein Leben furchtsamer Besorgnis.

110:3.5

Verwirrung, Perplexität, sogar manchmal Entmutigung und Beunruhigung bedeuten nicht unbedingt einen Widerstand gegen die Führung durch den innewohnenden Justierer. Solche Verfassungen können manchmal ein Zeichen mangelnder aktiver Zusammenarbeit mit dem göttlichen Mentor sein und deshalb den geistigen Fortschritt etwas verzögern, aber derartige intellektuell-gefühlsmäßige Schwierigkeiten bedrohen das sichere Fortleben der Gott kennenden Seele nicht im Geringsten. Unwissenheit allein kann sich dem Fortleben nie entgegenstellen; ebenso wenig vermögen es verwirrende Zweifel oder ängstliche Ungewissheit. Einzig bewusster Widerstand gegen die Führung des Justierers kann das Fortleben der sich entwickelnden unsterblichen Seele verhindern.

110:3.6

Ihr dürft die Zusammenarbeit mit eurem Justierer nicht als einen besonders bewussten Prozess betrachten, denn sie ist es nicht; aber eure Beweggründe und eure Entscheidungen, eure treue Entschlossenheit und eure tiefsten Wünsche bilden die wirkliche, effektive Zusammenarbeit. Ihr könnt die Harmonie mit dem Justierer bewusst verstärken, indem:

110:3.7

1. Ihr euch entschließt, der göttlichen Führung zu folgen; indem ihr euer Leben aufrichtig auf euer höchstes Bewusstsein von Wahrheit, Schönheit und Güte gründet und dann diese göttlichen Eigenschaften durch Weisheit, Anbetung, Glauben und Liebe koordiniert.

110:3.8

2. Ihr Gott liebt und wünscht, ihm zu gleichen – echte Anerkennung der göttlichen Vaterschaft und liebende Anbetung des himmlischen Vaters.

110:3.9

3. Ihr die Menschen liebt und aufrichtig wünscht, ihnen zu dienen – aus ganzem Herzen kommende Anerkennung der Bruderschaft der Menschen in Verbindung mit einer intelligenten und weisen Zuneigung zu jedem einzelnen eurer sterblichen Gefährten.

110:3.10

4. Ihr das kosmische Bürgerrecht freudig empfangt – ehrliche Anerken­nung eurer zunehmenden Verpflichtungen gegenüber dem Supremen Wesen, Realisieren der gegenseitigen Abhängigkeit des evolutionären Menschen und der sich entwickelnden Gottheit. Das ist die Geburt kosmischer Sittlichkeit und die Morgenröte der Verwirklichung universeller Pflicht.

4. Das Wirken des Justierers im Verstand

110:4.1

Die Justierer haben die Fähigkeit, den ununterbrochenen Strom kosmischer Intelligenz zu empfangen, der über die Hauptkreisläufe von Zeit und Raum hereinkommt; sie sind in vollem Kontakt mit der geistigen Intelligenz und Energie der Universen. Aber diese mächtigen Bewohner sind unfähig, dem Verstand ihrer menschlichen Schutzbefohlenen vieles von diesem Reichtum an Weisheit und Wahrheit zu vermitteln, weil die beiden Naturen zu wenig Gemeinsames haben und es an erkennender Ansprechbarkeit fehlt.

110:4.2

Der Gedankenjustierer unternimmt unablässig Anstrengungen, um euren Verstand so zu vergeistigen, dass sich eure morontielle Seele entwickelt; aber dieses innere Wirken geschieht größtenteils ohne euer Bewusstsein. Ihr seid vollkommen unfähig, das Erzeugnis eures eigenen materiellen Intellekts vom Produkt der gemeinsamen Aktivitäten eurer Seele und des Justierers zu unterscheiden.

110:4.3

Gewisse sich abrupt einstellende Gedanken, Schlussfolgerungen und andere mentale Bilder sind manchmal das direkte oder indirekte Werk des Justierers; aber weit häufiger handelt es sich bei diesem plötzlichen Einbruch ins Bewus­stsein um Ideen, die sich auf den unterbewussten mentalen Ebenen gruppiert haben, um natürliche und alltägliche Erscheinungen der normalen, gewöhnlichen psychischen Funktion, die in der Natur der Kreisläufe des sich entwickelnden tierischen Verstandes liegen. (Im Gegensatz zu diesen unterbewussten Emanationen entstammen die Offenbarungen des Justierers den Reichen des Überbewussten.)

110:4.4

Vertraut alle Verstandesangelegenheiten, die die strikte Ebene der Bewusstheit übersteigen, der Hut der Justierer an. Zu gegebener Zeit, und wenn nicht auf dieser Welt, dann auf den Residenzwelten, werden sie über ihr Verwalteramt Rechenschaft ablegen und schließlich die ihrer Sorge und Obhut anvertrauten Bedeutungen und Werte herausgeben. Wenn ihr fortlebt, werden sie jeden Schatz des irdischen Verstandes, der es wert ist, wieder auferstehen lassen.

110:4.5

Es besteht ein gewaltiger Abgrund zwischen Menschlichem und Göttlichem, zwischen Mensch und Gott. Die Rassen Urantias stehen so weitgehend unter elektrischer und chemischer Kontrolle, sie gleichen in ihrem gewöhnlichen Verhalten so sehr den Tieren und sind in ihren üblichen Reaktionen derart emotional, dass es für die Mentoren außerordentlich schwierig ist, sie zu führen und zu leiten. Ihr lasst es so sehr an mutigen Entscheidungen und hingebungsvoller Zusammenarbeit mangeln, dass die euch innewohnenden Justierer es beinahe unmöglich finden, direkt mit dem menschlichen Verstand zu kommunizieren. Und auch wenn es ihnen gelingt, der sich entwickelnden Menschenseele einen Schimmer von neuer Wahrheit durchzugeben, macht eine solche geistige Offenbarung das Geschöpf oft derart blind, dass sie einen Ausbruch von Fanatismus heraufbeschwört oder irgendeinen anderen intellektuellen Aufruhr mit verheerenden Folgen auslöst. Manch eine neue Religion und seltsame „ismen“ sind aus misslungenen, unvollständigen, missverstandenen und verstümmelten Mitteilungen von Gedankenjustierern entstanden.

110:4.6

Aus den Annalen Jerusems geht hervor, dass seit vielen Jahrtausenden in jeder Generation immer weniger Wesen gelebt haben, die ohne Risiko mit eigenständigen Justierern funktionieren konnten. Das ist ein alarmierendes Bild, und die leitenden Persönlichkeiten Satanias begünstigen die Vorschläge einiger eurer unmittelbareren planetarischen Überwacher, welche die Einleitung von Maßnahmen zur Begünstigung und Bewahrung der höheren geistigen Typen der Rassen Urantias befürworten.

5. Irrige Vorstellungen von der Führung durch den Justierer

110:5.1

Vermengt und verwechselt Sendung und Einfluss des Justierers nicht mit dem, was man gewöhnlich als Gewissen bezeichnet; sie stehen in keinem direkten Zusammenhang. Das Gewissen ist eine menschliche und rein psychische Reaktion. Es soll nicht verachtet werden, aber es ist kaum die Stimme Gottes, die zu der Seele spricht, was diejenige des Justierers tatsächlich wäre, wenn man eine solche Stimme hören könnte. Das Gewissen ermahnt euch mit Recht, richtig zu handeln; aber der Justierer bemüht sich, euch zu sagen, was wahrhaft richtig ist; d. h. wenn und so sehr ihr fähig seid, seine Führung wahrzunehmen.

110:5.2

Die Traumerfahrungen des Menschen, dieses unordentliche und zusammenhangslose Defilieren im nicht-koordinierten schlafenden Verstand, stellen einen hinreichenden Beweis für das Unvermögen der Justierer dar, die unterschiedlichen Faktoren des menschlichen Verstandes zu harmonisieren und zu verknüpfen. Die Justierer können ganz einfach nicht innerhalb einer einzigen Lebensdauer zwei so ungleiche und verschiedene Denktypen wie den menschlichen und den göttlichen willkürlich koordinieren und synchronisieren. Wenn es ihnen trotzdem gelingt, wie es manchmal geschehen ist, werden solche Seelen ohne die Notwendigkeit, durch die Todeserfahrung zu gehen, direkt auf die Residenzwelten entrückt.

110:5.3

Während der Periode des Schlafs versucht der Justierer nur das zu vollbringen, was der Wille der bewohnten Persönlichkeit zuvor durch Entscheidungen und Optionen restlos gebilligt hat, welche bei völlig wachem Bewusstsein getroffen wurden und dadurch in die Domäne des Überverstandes, in das Verbindungsreich menschlich-göttlicher Wechselbeziehung, eingegangen sind.

110:5.4

Während ihre sterblichen Gastwirte schlafen, versuchen die Justierer, ihre Schöpfungen in den höheren Ebenen des materiellen Verstandes zu registrieren, und einige eurer grotesken Träume sind Ausdruck ihres Scheiterns beim Herstellen eines wirksamen Kontakts. Die Absurditäten des Traumlebens sind nicht nur der Ausdruck von gestauten, unausgedrückten Emotionen, sondern sie bezeugen auch die grässliche Verzerrung der von den Justierern vorgelegten Bilder geistiger Konzepte. Eure eigenen Leidenschaften, Triebe und anderen angeborenen Neigungen treten in das Bild ein und setzen ihre unausgedrückten Sehnsüchte an die Stelle der göttlichen Botschaften, welche die Mentoren sich bemühen, während des Schlafs der Psyche zu vermitteln.

110:5.5

Es ist äußerst gefährlich, bestimmen zu wollen, welches des Justierers Anteil am Traumleben ist. Die Justierer arbeiten tatsächlich während des Schlafs, aber eure gewöhnlichen Traumerfahrungen sind rein physiologische und psychologische Phänomene. Ebenso gewagt ist der Versuch einer Differenzierung zwischen der Registrierung von Justiererkonzepten und dem mehr oder weniger kontinuierlichen und bewussten Empfang der Diktate des sittlichen Bewusstseins. Das sind Probleme, deren Lösung dem individuellen Unterscheidungsvermögen und persönlicher Entscheidung anheim gestellt sind. Aber es wäre für ein menschliches Wesen besser, einen Irrtum zu begehen, indem es eine Eingebung des Justierers zurückweist, weil es sie als eine rein menschliche Erfahrung betrachtet, als den dummen Fehler zu begehen, die Reaktion seines materiellen Verstandes in die Sphären göttlicher Würde emporzuheben. Denkt immer daran, dass der Einfluss eines Gedankenjustierers größtenteils, wenn auch nicht gänzlich, eine überbewusste Erfahrung ist.

110:5.6

In wechselndem Grade und immer stärker kommuniziert ihr während eures Aufstiegs durch die psychischen Kreise manchmal direkt, aber häufiger indirekt, mit eurem Justierer. Es ist indessen gefährlich, der Meinung zu sein, dass jedes neue im menschlichen Verstand aufkeimende Konzept vom Justierer diktiert sei. Häufiger ist bei Wesen eurer Ordnung das, was ihr für des Justierers Stimme hält, in Wirklichkeit eurem eigenen Intellekt entsprungen. Man befindet sich da auf einem gefährlichen Grund, und jedes Menschenwesen muss diese Probleme gemäß seiner natürlichen menschlichen Weisheit und übermenschlichen Erkenntnis selber klären.

110:5.7

Der Justierer des menschlichen Wesens, durch welches diese Kommuni­kation geschieht, erfreut sich hauptsächlich deshalb einer so weitgehenden Hand­lungsfreiheit, weil sein menschlicher Partner gegenüber allen äußeren Kund­gebungen der inneren Gegenwart des Justierers annähernd vollständig gleichgültig bleibt; es ist tatsächlich ein Glücksfall, dass er sich bei dem ganzen Vorgang bewusst völlig unbeteiligt zeigt. Er beherbergt einen der erfahrensten Justierer seiner Zeit und Generation, und doch bezeichnet es sein Schicksalshüter als seltene und zufällige Reaktion, dass er sich gegenüber den Phänomenen, welche die Anwesenheit dieses vielbegabten Justierers in seinem Verstand begleiten, passiv verhält und gleichgültig zeigt. Und all das bildet ein günstiges Zusammenwirken von Einflüssen – ebenso günstig für den Justierer in den höheren Sphären des Handelns wie für den menschlichen Partner vom Standpunkt der Gesundheit, Wirksamkeit und inneren Ruhe.

6. Die sieben psychischen Kreise

110:6.1

Die Gesamtsumme der Persönlichkeitsverwirklichung auf einer materiellen Welt ist in der allmählichen Eroberung der sieben psychischen Kreise menschlicher Potentialität enthalten. Der Eintritt in den siebenten Kreis markiert den Beginn der wahren Funktion menschlicher Persönlichkeit. Die Erfüllung des ersten Kreises zeigt die relative Reife des sterblichen Wesens an. Wenn auch das Durchlaufen der sieben Kreise kosmischen Wachstums nicht gleichbedeutend ist mit Justiererfusion, zeigt doch die Meisterung dieser Kreise das Erreichen der Stufen an, die der Fusion vorausgehen.

110:6.2

Der Justierer ist euer ebenbürtiger Partner beim Vollbringen der sieben Kreise – dem Erreichen relativer menschlicher Reife. Der Justierer ersteigt die Kreise mit euch vom siebenten bis zum ersten, schreitet aber völlig unabhängig von der aktiven Zusammenarbeit des menschlichen Verstandes zum Status eines höchsten und eigenständigen Mentors fort.

110:6.3

Weder sind die psychischen Kreise ausschließlich intellektuell, noch sind sie gänzlich morontiell; sie stehen in Beziehung zu Persönlichkeitstatus, mentalen Leistungen, Wachstum der Seele und Einstimmung auf den Justierer. Ein erfolgreiches Durchschreiten dieser Ebenen verlangt das harmonische Funktionieren der Gesamtpersönlichkeit und nicht nur irgendeiner ihrer Phasen. Das Wachstum der Teile ist nicht einem wahren Heranreifen des Ganzen gleichzusetzen; die Teile wachsen in Wirklichkeit im Maße der Entfaltung des ganzen Selbst, des gesamten – materiellen, intellektuellen und geistigen – Selbst.

110:6.4

Wenn die Entwicklung der intellektuellen Natur rascher als diejenige der geistigen erfolgt, macht eine solche Situation die Kommunikation mit dem Gedankenjustierer schwierig und gefährlich. Und ebenso neigt eine überstarke geistige Entwicklung dazu, einer fanatischen und verzerrten Interpretation der geistigen Weisungen des göttlichen Bewohners zu rufen. Ein Mangel an geistiger Befähigung macht es sehr schwer, einem solchen materiellen Intellekt die sich im höheren Überbewusstsein befindlichen geistigen Wahrheiten zu übermitteln. Ein vollkommen ausgeglichener Verstand, der in einem Körper mit gesunden Gewohnheiten, stabilisierten nervlichen Energien und ausgewogenen chemischen Funktionen wohnt – dessen physische, mentale und geistige Kräfte sich in dreieiniger Harmonie der Entwicklung befinden – ein solcher Verstand ist es, dem ein Maximum an Licht und Wahrheit mit einem Minimum an zeitlicher Gefahr und Risiko für das wahre Wohl seines Besitzers vermittelt werden kann. Durch solch ein ausgewogenes Wachstum ersteigt der Mensch die Kreise planetarischer Progression einen nach dem anderen, vom siebenten bis zum ersten.

110:6.5

Die Justierer sind euch stets nahe und ein Teil von euch, aber selten können sie direkt, wie ein anderes Wesen, zu euch sprechen. Kreis um Kreis tragen eure intellektuellen Entschlüsse, sittliche Wahl und geistige Entwicklung zur Fähigkeit des Justierers bei, in eurem Verstand zu funktionieren; Kreis um Kreis erhebt ihr euch so aus den tieferen Stadien des Zusammenwirkens mit dem Justierer und der Einstimmung eures Verstandes, so dass der Justierer immer fähiger wird, dem sich entwickelnden Bewusstsein der Gott suchenden Verstand-Seele seine bildlichen Entwürfe der Bestimmung mit wachsender Lebendigkeit und Überzeugung einzuprägen.

110:6.6

Jede von euch getroffene Entscheidung behindert oder erleichtert das Wirken des Justierers; und so sind gerade diese Entscheidungen für euer Vorwärts­kommen in den Kreisen menschlichen Vollbringens bestimmend. Es ist wahr, dass eine allerhöchste Entscheidung im Zusammenhang mit einer Krise auf die Bewältigung der Kreise einen großen Einfluss hat; indessen sind zahlreiche Entscheidungen, häufige Wiederholungen, beharrliche Wiederholungen auch wesentlich dafür, dass solche Reaktionen durch die Schaffung einer Gewohnheit zur Gewissheit werden.

110:6.7

Die sieben Ebenen menschlichen Fortschritts genau zu definieren, ist deshalb schwierig, weil diese Ebenen persönlich sind; sie sind für jeden Einzelnen verschieden und werden offenbar durch das Wachstumsvermögen jedes menschlichen Wesens bestimmt. Die Eroberung dieser Ebenen kosmischer Evolution widerspiegelt sich auf dreierlei Art:

110:6.8

1. Einstimmung auf den Justierer. Der sich vergeistigende Verstand nähert sich der Gegenwart des Justierers im Verhältnis der Bezwingung der Kreise.

110:6.9

2. Entwicklung der Seele. Das Erwachen der morontiellen Seele zeigt Ausmaß und Tiefe der Herrschaft über die Kreise an.

110:6.10

3. Realität der Persönlichkeit. Der Realitätsgrad des Selbst wird direkt durch die Bewältigung der Kreise bestimmt. Die Personen werden wirklicher, während sie von der siebenten zur ersten Ebene menschlicher Existenz aufsteigen.

110:6.11

Während das Kind der materiellen Evolution die Kreise durchschreitet, wächst es zum reifen Menschen mit Unsterblichkeitspotential heran. Die schattenhafte Realität der embryonalen Natur eines Angehörigen des siebenten Kreises macht der klareren Manifestation der erwachenden morontiellen Natur eines Bürgers des Lokaluniversums Platz.

110:6.12

Obwohl es unmöglich ist, die sieben Ebenen oder psychischen Kreise menschlichen Wachstums klar zu definieren, sei es doch gestattet, die untersten und obersten Grenzen dieser Stadien von sich verwirklichender Reife anzudeuten:

110:6.13

Der siebente Kreis. Die menschlichen Wesen betreten diese Ebene, wenn sie die Macht persönlicher Wahl, individueller Entscheidung und sittlicher Verantwortlichkeit und die Fähigkeit zur Erlangung geistiger Individualität entwickeln. Das bedeutet das geeinte Funktionieren der sieben mentalen Hilfsgeiste unter der Leitung des Geistes der Weisheit, den Beginn des Einflusses des Heiligen Geistes durch die Aufnahme des sterblichen Geschöpfes in seinen Kreislauf und, auf Urantia, den Beginn des Funktionierens des Geistes der Wahrheit, gleichzeitig mit dem Empfang eines Gedankenjustierers im menschlichen Verstand. Der Eintritt in den siebenten Kreis macht aus einem sterblichen Geschöpf einen echten potentiellen Bürger des Lokaluniversums.

110:6.14

Der dritte Kreis. Der Justierer arbeitet viel wirksamer, nachdem der menschliche Aufsteiger den dritten Kreis erreicht und einen persönlichen seraphischen Schicksalshüter erhalten hat. Obwohl es zwischen Justierer und Schicksalshüter keine offensichtliche Abstimmung der Anstrengungen gibt, kann doch nach der Zuteilung des persönlichen seraphischen Begleiters in allen Phasen kosmischen Vollbringens und geistiger Entwicklung eine unverkennbare Besserung festgestellt werden. Wenn der dritte Kreis erreicht ist, bemüht sich der Justierer darum, den menschlichen Verstand während der restlichen Lebenszeit morontiell umzuwandeln, die verbleibenden Kreise zu durchschreiten und das abschließende Stadium der göttlich-menschlichen Zusammenarbeit zu erreichen, bevor der natürliche Tod die einzigartige Partnerschaft auflöst.

110:6.15

Der erste Kreis. Gewöhnlich kann der Justierer nicht direkt und unmittelbar mit euch sprechen, bevor ihr den ersten und finalen Kreis fortschreitenden menschlichen Vollbringens erreicht habt. Diese Ebene stellt die höchstmögliche Verwirklichung der Verstand-Justierer-Beziehung in menschlicher Erfahrung dar, bevor die sich entwickelnde morontielle Seele aus dem Gewand des materiellen Körpers befreit wird. Was Verstand, Gefühle und kosmische Schau anbelangt, ist die Meisterung dieses ersten psychischen Kreises die größtmögliche Annäherung zwischen materiellem Verstand und geistigem Justierer in menschlicher Erfahrung.

110:6.16

Vielleicht sollte man diese psychischen Kreise menschlicher Progression eher kosmische Ebenen nennen – das tatsächliche Erfassen von Bedeutungen und Gewahrwerden von Werten während des allmählichen Heranrückens an das morontielle Bewusstsein der beginnenden Beziehung der evolutionären Seele zum erwachenden Supremen Wesen. Und gerade diese Beziehung ist es, welche es für immer unmöglich macht, dem materiellen Verstand die Bedeutung der kosmischen Kreise klar auseinanderzusetzen. Die Bewältigung der Kreise steht zum Gottesbewusstsein nur in relativer Beziehung. Ein Angehöriger des siebenten oder sechsten Kreises kann Gott fast ebenso wahrhaft kennen – ebenso starkes Sohnesbewusstsein besitzen – wie ein Vertreter des zweiten oder ersten Kreises, aber die zu den niedrigeren Kreisen zählenden Wesen sind sich viel weniger einer erfahrungsmäßigen Beziehung zum Supremen Wesen, ihres universellen Bürgerrechts, bewusst. Die Meisterung der kosmischen Kreise wird auf den Residenzwelten einen Teil der Erfahrung der Aufsteiger bilden, wenn deren Bewältigung ihnen vor ihrem natürlichen Tod nicht gelingt.

110:6.17

Die Motivierung des Glaubens macht aus dem vollen Innewerden des Menschen, ein Sohn Gottes zu sein, erst recht eine Erfahrung, aber das Handeln, die Ergänzung von Entschlüssen, ist wesentlich, um zu dem sich heranbildenden Bewusstsein zunehmender Verwandtschaft mit der kosmischen Wirklichkeit des Supremen Wesens zu gelangen. In der geistigen Welt verwandelt der Glaube Potentiale in Wirklichkeiten, aber in den endlichen Reichen des Supremen werden aus Potentialen Wirklichkeiten nur durch die bewusste Erfahrung des Wählens. Aber die Wahl, den Willen Gottes zu tun, verbindet in persönlichem Handeln geistigen Glauben mit materiellen Entscheidungen und liefert dadurch einen göttlichen und geistigen Ansatzpunkt für das wirksamere Funktionieren der menschlichen und materiellen Hebelkraft des Hungers nach Gott. Solch eine weise Koordinierung materieller und geistiger Kräfte verstärkt sowohl das kosmische Erkennen des Supremen als auch das morontielle Verständnis der Paradies-Gottheiten gewaltig.

110:6.18

Die Meisterung der kosmischen Kreise steht mit dem quantitativen Wachstum der morontiellen Seele in Verbindung, mit dem Verständnis höchster Bedeutungen. Aber der qualitative Status dieser unsterblichen Seele ist gänzlich abhängig vom Festhalten des lebendigen Glaubens an dem Tatsachen-Wert mit Paradies-Potential, dass der sterbliche Mensch ein Sohn des ewigen Gottes ist. Deshalb begibt sich ein Angehöriger des siebenten Kreises genau gleich wie ein solcher des zweiten oder sogar des ersten Kreises auf die Residenzwelten, um mit der quantitativen Verwirklichung kosmischen Wachstums weiterzufahren.

110:6.19

Es besteht nur eine indirekte Beziehung zwischen der Bewältigung der kosmischen Kreise und tatsächlicher geistiger religiöser Erfahrung; diese Vollbringungen sind wechselbezüglich und wirken sich deshalb gegenseitig segensreich aus. Eine rein geistige Entwicklung hat unter Umständen kaum etwas mit planetarischer materieller Prosperität zu tun, aber die Bewältigung der Kreise erhöht stets das Potential menschlichen Erfolges und irdischen Vollbringens.

110:6.20

Vom siebenten bis zum dritten Kreis werden die geeint wirkenden sieben mentalen Hilfsgeiste immer aktiver, um den menschlichen Verstand von seiner Abhängigkeit von den Realitäten der materiellen Lebensmechanismen zu lösen, bevor er vermehrt in die morontiellen Erfahrungsebenen eingeführt wird. Vom dritten Kreis an aufwärts nimmt der Einfluss der Hilfsgeiste stetig ab.

110:6.21

Die sieben Kreise umschließen die menschliche Erfahrung, die sich von der höchsten rein tierischen Ebene bis zu der niedrigsten wirklich morontiellen Kontaktebene des Selbstbewusstseins als einer persönlichen Erfahrung erstreckt. Die Meisterung des ersten kosmischen Kreises zeigt an, dass der Sterbliche die vormorontielle Reife erreicht hat, und bedeutet das Ende des gemeinsamen Dienstes der Hilfsgeiste als eines ausschließlichen Einflusses auf die mentale Aktivität der menschlichen Persönlichkeit. Jenseits des ersten Kreises wird der Verstand immer ähnlicher der Intelligenz des morontiellen Evolutionsstadiums, dem gemeinsamen Walten des kosmischen Verstandes und der Über-Hilfsgeist-Gabe des Schöpferischen Geistes eines Lokaluniversums.

110:6.22

Die großen Tage in der individuellen Justierer-Laufbahn sind: Einmal, wenn der menschliche Schutzbefohlene den Durchbruch in den dritten psychischen Kreis schafft und dadurch für die Eigenständigkeit und ein größeres Betätigungsfeld des Justierers sorgt (sofern der Mentor nicht bereits eigenständig war); alsdann, wenn der menschliche Partner den ersten psychischen Kreis erreicht und beide dadurch in den Stand versetzt werden, miteinander zu kommunizieren, wenigstens bis zu einem gewissen Grad; und schließlich, wenn sie endgültig und für ewig fusionieren.

7. Das Erreichen der Unsterblichkeit

110:7.1

Die Meisterung der sieben kosmischen Kreise ist nicht gleichbedeutend mit Ju­stiererfusion. Es leben viele Sterbliche auf Urantia, die ihre Kreise erreicht haben; aber die Fusion hängt von noch anderen größeren und sublimeren geistigen Leis­tungen ab, vom Erreichen einer endgültigen und vollständigen Einstimmung des menschlichen Willens auf den Willen Gottes, wie er im Gedanken­justierer wohnt.

110:7.2

Wenn ein menschliches Wesen die Kreise kosmischen Vollbringens durchschritten hat, und wenn überdies die endgültige Wahl des menschlichen Willens dem Justierer erlaubt, die Verbindung der menschlichen Identität mit der morontiellen Seele während des evolutionären physischen Lebens zu vervollständigen, dann begeben sich Seele und Justierer, einander unauflöslich versprochen, unabhängig auf die Residenzwelten, und dort wird der Befehl aus Uversa ausgegeben, der für die augenblickliche Fusion des Justierers mit der morontiellen Seele sorgt. Eine solche Fusion während des physischen Lebens verzehrt den materiellen Körper augenblicklich; menschliche Wesen, die etwa Zeugen eines solchen Schauspiels würden, sähen den entrückten Sterblichen bloß „in einem feurigen Wagen“ entschwinden.

110:7.3

Die meisten Justierer, die ihre Schutzbefohlenen von Urantia entrückt haben, waren hoch erfahren und dafür bekannt, zuvor auf anderen Sphären zahlreichen Sterblichen innegewohnt zu haben. Erinnert euch daran, dass die Justierer auf Planeten, wo sie nur ausgeliehen sind, beim Bewohnen von Sterblichen wertvolle Erfahrungen sammeln; es ist also nicht so, dass die Justierer ihre Erfahrungen für fortgeschrittene Aufgaben nur bei Sterblichen gewinnen, denen das Fortleben misslingt.

110:7.4

Nach ihrer Fusion mit euch teilen die Justierer euer Schicksal und eure Erfahrung; sie sind ihr. Nach der Fusion der unsterblichen morontiellen Seele und des mit ihr verbundenen Justierers werden die gesamte Erfahrung und alle Werte des einen schließlich Besitz des anderen, so dass die beiden wirklich eine einzige Wesenheit bilden. In einem gewissen Sinne gehört dieses neue Wesen ebenso sehr der ewigen Vergangenheit an, wie es die ewige Zukunft vor sich hat. Alles, was in der fortlebenden Seele einst menschlich war, und alles, was im Justierer erfahrungsmäßig göttlich ist, wird jetzt wirklicher Besitz der neuen und ewig aufsteigenden Universumspersönlichkeit. Aber auf jeder Universumsebene kann der Justierer das neue Geschöpf nur mit jenen Attributen ausstatten, die auf dieser Ebene Bedeutung und Wert haben. Zu einem absoluten Einssein mit dem göttlichen Mentor, einer vollständigen Erschöpfung der Anlagen eines Justierers, kann man nur in der Ewigkeit gelangen, nach dem letztendlichen Erreichen des Universalen Vaters, des Vaters der Geiste, der ewigen Quelle dieser göttlichen Geschenke.

110:7.5

Wenn die sich entwickelnde Seele und der göttliche Justierer schließlich für ewig fusionieren, gewinnt jeder alle erfahrbaren Eigenschaften des anderen. Diese koordinierte Persönlichkeit besitzt die gesamte fortlebende erfahrungsmäßige Erinnerung, die einst dem ursprünglichen menschlichen Verstand gehörte und dann auf die morontielle Seele überging, und zusätzlich verfügt dieser potentielle Finalist über die gesamte Erinnerung des Justierers an alle Erfahrungen, die er je bei den von ihm bewohnten Sterblichen gemacht hat. Aber der Justierer wird eine ewige Zukunft brauchen, um die Persönlichkeitspartnerschaft mit den Bedeutungen und Werten auszustatten, die der göttliche Mentor aus der ewigen Vergangenheit mit sich bringt.

110:7.6

Aber bei der erdrückenden Mehrheit der Urantianer muss der Justierer geduldig das Nahen der Erlösung durch den Tod abwarten; muss auf die Befreiung der erwachenden Seele von der nahezu vollständigen Beherrschung durch die Ener­giemodelle und chemischen Kräfte warten, die in der Natur eurer materiellen Existenzordnung liegen. Die Hauptschwierigkeit, der ihr beim Kontakt mit eurem Justierer begegnet, besteht gerade im Wesen dieser materiellen Natur. So wenige Sterbliche sind wirkliche Denker; ihr entwickelt und diszipliniert euren Verstand nicht in geistiger Weise bis zu dem Punkt, der einer Verbindung mit dem göttlichen Justierer günstig wäre. Das Ohr des menschlichen Verstandes ist beinahe taub für die geistigen Appelle, die der Justierer den vielfältigen Botschaften der vom Vater der Barmherzigkeit ausgehenden universellen Fernmeldungen der Liebe entnimmt und übersetzt. Der Justierer findet es fast unmöglich, diese inspirierenden geistigen Richtlinien in einem tierischen Verstand zu registrieren, der so vollständig von den euren physischen Naturen inhärenten chemischen und elektrischen Kräften beherrscht wird.

110:7.7

Die Justierer freuen sich, mit dem menschlichen Verstand in Kontakt zu treten; aber sie müssen sich über lange Jahre schweigenden Aufenthaltes gedulden, während welcher sie unfähig sind, den tierischen Widerstand zu durchbrechen und direkt mit euch zu kommunizieren. Je höher die Justierer auf der Leiter des Dienens steigen, umso leistungsfähiger werden sie. Aber nie können sie euch während eures körperlichen Daseins mit derselben vollen, mitfühlenden und ausdrucksstarken Liebe wie auf den Residenzwelten begegnen, wo ihr sie von Verstand zu Verstand wahrnehmen werdet.

110:7.8

Während des irdischen Lebens trennen euch materieller Körper und Verstand von eurem Justierer und verhindern eine freie Kommunikation; nach dem Tod und der ewigen Fusion seid ihr und der Justierer eins – nicht als getrennte Wesen zu unterscheiden – und daher besteht keine Notwendigkeit der Kommunikation, wie ihr sie versteht.

110:7.9

Obwohl die Stimme des Justierers stets in euch spricht, werden die meisten von euch sie während ihres ganzen Lebens nur selten hören. Menschenwesen, die sich unterhalb des dritten und zweiten Kreises der Vollbringung befinden, hören die direkte Stimme des Justierers nur selten, außer in Augenblicken höchster Sehn­sucht, in einer extremen Situation und nach einer allerhöchsten Entscheidung.

110:7.10

Während der Herstellung und des Unterbruchs eines Kontaktes zwischen dem sterblichen Verstand eines Reservisten der Bestimmung und den planetarischen Überwachern befindet sich der innewohnende Justierer manchmal in einer Lage, welche die Übermittlung einer Botschaft an den sterblichen Partner gestattet. Es ist nicht lange her, dass auf Urantia ein eigenständiger Justierer seinem menschlichen Gefährten, einem Mitglied des Reservekorps der Bestimmung, solch eine Botschaft übermittelte. Diese Botschaft begann mit den Worten: „Und nun, ohne den meiner eifrigen Hingabe Anvertrauten zu verletzen oder zu gefährden und ohne die Absicht, ihn übermäßig zu tadeln oder zu entmutigen, zeichnet für mich diese meine dringende Bitte an ihn auf.“ Dem folgte eine wunderbar rührende und flehende Ermahnung. Unter anderem bat der Justierer darum, „dass mein Partner mit mir in größerer Treue aufrichtig zusammenarbeite, heitereren Gemütes die ihm von mir auferlegten Pflichten ertrage, das von mir entworfene Programm getreulicher ausführe, geduldiger durch die von mir ausgesuchten Prüfungen gehe, ausdauernder und fröhlicher auf dem von mir gewählten Pfad voranschreite und die Ehren, die ihm aus meinen unaufhörlichen Anstrengungen erwachsen, demütiger entgegennehme – gebt dem von mir bewohnten Menschen diese Ermahnung weiter. Ihm schenke ich die höchste Hingabe und Liebe eines göttlichen Geistes. Des Weiteren sage ich meinem geliebten Schutzbefohlenen, dass ich bis ganz zuletzt mit Weisheit und Macht handeln werde, bis der letzte irdische Kampf vorüber ist; ich werde seiner mir anvertrauten Persönlichkeit treu bleiben. Und ich ermahne ihn, das Fortleben anzustreben, mich nicht zu enttäuschen, mich nicht um den Lohn meiner geduldigen und intensiven Anstrengungen zu bringen. Vom menschlichen Willen hängt es ab, ob wir die Persönlichkeit erlangen. Kreis um Kreis habe ich diese menschliche Intelligenz in Geduld emporgeführt, und man hat mir bezeugt, dass das Oberhaupt meiner Ordnung mein Handeln billigt. Kreis um Kreis bewege ich mich auf das Urteil zu. Mit Freude und ohne Bangen sehe ich dem Namensaufruf der Bestimmung entgegen; ich bin bereit, alles den Tribunalen der Ältesten der Tage zu unterbreiten.“

110:7.11

[Dargeboten von einem Einsamen Botschafter von Orvonton.]


◄ Schrift 109
Nach Oben
Schrift 111 ►
Das Urantia Buch

Deutsch Übersetzung © Urantia-Stiftung. Alle Rechte vorbehalten.