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Wachstum des Trinitätskonzeptes

DAS Trinitätskonzept offenbarter Religion darf nicht mit dem Tria­den­glauben evolutionärer Religionen verwechselt werden. Die Idee von Triaden rührt von vielen suggestiven Beziehungen her, aber hauptsächlich kommt sie von den drei Fingergliedern, davon, dass es mindestens drei Beine brauchte, um einen Stuhl zu stabilisieren, und dass drei Stützpunkte genügten, um ein Zelt aufzurichten; dazu kommt, dass der primitive Mensch während langer Zeit nicht weiter als bis drei zählen konnte.

104:0.2

Abgesehen von bestimmten natürlichen paarigen Begriffen wie Vergan­genheit und Gegenwart, Tag und Nacht, warm und kalt und männlich und weiblich neigt der Mensch im Allgemeinen dazu, in Triaden zu denken: gestern, heute und morgen; Sonnenaufgang, Mittag und Sonnenuntergang; Vater, Mutter und Kind. Man lässt den Sieger dreimal hochleben. Die Toten werden am dritten Tag beerdigt, und das Phantom wird durch drei Besprengungen mit Wasser besänftigt.

104:0.3

Als Folge dieser natürlichen Assoziationen menschlicher Erfahrung erschien die Triade in der Religion, und dies lange, bevor der Menschheit die Paradies-Trinität der Gottheiten oder einer ihrer Repräsentanten offenbart wurde. Später besaßen Perser, Hindus, Griechen, Ägypter, Babylonier, Römer und Skandinavier alle ihre Göttertriaden, aber das waren immer noch keine wahren Trinitäten. Die Gottheiten der Triaden hatten alle einen natürlichen Ursprung, und sie sind früher oder später bei den meisten der intelligenten Völker Urantias erschienen. Manchmal hat sich das Konzept einer evolutionären Triade mit demjenigen einer offenbarten Trinität vermischt; in solchen Fällen ist es manchmal unmöglich, die beiden voneinander zu unterscheiden.

1. Urantianische Trinitätskonzepte

104:1.1

Die erste urantianische Offenbarung, die zu einem Verständnis der Paradies-Trinität führte, geschah durch den Stab des Fürsten Caligastia vor etwa einer halben Million Jahren. Dieses früheste Trinitätskonzept kam der Welt in den auf die planetarische Rebellion folgenden bewegten Zeiten abhanden.

104:1.2

Die zweite Darstellung der Trinität gaben Adam und Eva im ersten und zweiten Garten. Diese Lehren waren auch zu der Zeit Machiventa Melchisedeks etwa fünfunddreißigtausend Jahre danach noch nicht völlig verblasst, da das Trinitätskonzept der Sethiter in Mesopotamien und Ägypten, aber insbesondere in Indien, überdauerte, wo es lange in Agni, dem vedischen dreiköpfigen Feuergott fortlebte.

104:1.3

Die dritte Darstellung der Trinität gab Machiventa Melchisedek, und diese Lehre wurde durch die drei konzentrischen Kreise symbolisiert, die der Weise von Salem auf seinem Brustmedaillon trug. Aber Machiventa fand es sehr schwer, die palästinensischen Beduinen etwas über den Universalen Vater, den Ewigen Sohn und den Unendlichen Geist zu lehren. Die meisten seiner Jünger dachten, dass die Trinität aus den drei Allerhöchsten von Norlatiadek bestehe; einige wenige stellten sich die Trinität als zusammengesetzt aus dem Souverän des Systems, dem Vater der Konstellation und der Schöpfer-Gottheit des Lokaluniversums vor; noch weniger zahlreich waren jene, die von ferne die Idee einer Verbindung von Vater, Sohn und Geist im Paradies erfassten.

104:1.4

Dank den Aktivitäten der Missionare aus Salem breiteten sich Melchisedeks Lehren von der Trinität allmählich in großen Teilen Eurasiens und Nordafrikas aus. Es ist in den späteren anditischen und in den auf Melchisedek folgenden Zeitaltern oft schwierig, zwischen Triaden und Trinitäten zu unterscheiden, da beide Konzepte sich einigermaßen vermengten und miteinander verschmolzen.

104:1.5

Bei den Hindus schlug das trinitarische Konzept Wurzeln als Sein, Intel­ligenz und Freude. (Eine spätere indische Vorstellung war diejenige von Brahma, Shiva und Vishnu.) Während die früheren Darstellungen der Trinität von den sethitischen Priestern nach Indien gebracht worden waren, wurden die späteren trinitarischen Ideen dort durch die Missionare Salems eingeführt und dann durch die einheimischen Intelligenzen Indiens weiterentwickelt, die diese Lehren mit den evolutionären Triadenvorstellungen vermischten.

104:1.6

Der buddhistische Glaube entwickelte zwei Lehren trinitarischer Natur. Die frühere war: Lehrer, Gesetz und Bruderschaft; das war, was Gautama Siddharta selber lehrte. Die spätere Idee, die sich im nördlichen Zweig der Anhän­ger Buddhas herausbildete, umfasste den Höchsten Herrn, den Heiligen Geist und den Inkarnierten Erlöser.

104:1.7

Diese Ideen von Hindus und Buddhisten waren wirkliche trinitarische Po­stulate, mit anderen Worten waren es Ideen einer dreifachen Manifestation eines monothei­stischen Gottes. Eine echte trinitarische Vorstellung ist nicht ein bloßes Nebeneinander von drei verschiedenen Göttern.

104:1.8

Die Hebräer wussten um die Trinität durch die aus den Tagen Melchisedeks stammenden kenitischen Überlieferungen, aber ihr monotheistischer Eifer für den einen Gott, Jahve, verdunkelte alle anderen Lehren dermaßen, dass bis zu der Zeit des Erscheinens Jesu die Lehre von den Elohim praktisch aus der jüdischen Theologie ausgemerzt worden war. Hebräisches Denken konnte das trinitarische Konzept nicht mit dem monotheistischen Glauben an den Einen Herrn, den Gott Israels, vereinbaren.

104:1.9

Die Anhänger des islamischen Glaubens vermochten die Idee der Trinität ebenso wenig zu erfassen. Es ist für einen im Entstehen begriffenen Mono­theismus, der gegen Vielgötterei anzukämpfen hat, immer schwer, trinitarische Vorstellungen zu dulden. Die Idee der Trinität fasst am besten in jenen Religionen Wurzel, die eine mit doktrinärer Elastizität einhergehende, solide monotheistische Tradition besitzen. Den großen Monotheisten, Hebräern und Mohammedanern, fiel die Unterscheidung schwer zwischen der Anbetung von drei Göttern – Polytheismus – und Trinitarismus – Anbetung einer einzigen Gottheit, die in dreifacher göttlicher und persönlicher Manifestation existiert.

104:1.10

Jesus lehrte seine Apostel die Wahrheit über die Personen der Paradies-Trinität, aber sie dachten, er spreche in übertragenem und symbolischem Sinne. Da sie im hebräischen Monotheismus aufgewachsen waren, fiel es ihnen schwer, einen Glauben zu unterhalten, der zu ihrer alles beherrschenden Vorstellung von Jahve im Widerspruch zu stehen schien. Und die frühen Christen erbten das hebräische Vorurteil gegen das Trinitätskonzept.

104:1.11

Die erste Trinität des Christentums wurde in Antiochia verkündet und bestand aus Gott, seinem Wort und seiner Weisheit. Paulus wusste um die Paradies-Trinität von Vater, Sohn und Geist, aber er predigte selten über sie und erwähnte sie nur in wenigen seiner Briefe an die im Entstehen begriffenen Kirchen. Aber auch so verwechselte Paulus gleich seinen Mitaposteln Jesus, den Schöpfersohn des Lokaluniversums, mit der Zweiten Person der Gottheit, mit dem Ewigen Sohn des Paradieses.

104:1.12

Das christliche Trinitätskonzept, das gegen Ende des ersten nachchristlichen Jahrhunderts anerkannt zu werden begann, umfasste den Universalen Vater, den Schöpfersohn von Nebadon und die Göttliche Ministerin von Salvington – Muttergeist des Lokaluniversums und schöpferische Partnerin des Schöpfersohnes.

104:1.13

Seit Jesu Zeiten war die tatsächliche Identität der Paradies-Trinität (bis auf wenige Einzelne, denen sie eigens offenbart wurde) auf Urantia unbekannt, bis sie jetzt in den Enthüllungen dieser Offenbarung offen gelegt wird. Aber obwohl sich das christliche Trinitätskonzept in den Tatsachen irrte, war es, was die geistigen Beziehungen anbelangt, praktisch wahr. Einzig in seinen philosophischen Implikationen und kosmologischen Schlussfolgerungen verursachte es Kopfzerbrechen: Vielen kosmisch Denkenden fiel es schwer zu glauben, dass die Zweite Person der Gottheit, das zweite Mitglied einer unendlichen Trinität, einst auf Urantia weilte; und obwohl dies im geistigen Sinne zutrifft, ist es tatsächlich nicht geschehen. Die Michael-Schöpfer verkörpern die Göttlichkeit des Ewigen Sohnes voll und ganz, sind aber nicht die absolute Persönlichkeit.

2. Einheit der Trinität und Pluralität der Gottheit

104:2.1

Der Monotheismus entstand als ein philosophischer Protest gegen die Unlogik des Polytheismus. Seine Entwicklung durchlief zuerst die Organisation von Pantheons mit ihrer Aufteilung der übernatürlichen Aktivitäten nach Zuständigkeitsbereichen, danach die henotheistische Erhöhung eines einzigen Gottes über viele andere und schließlich den Ausschluss aller außer dem Einen Gott finalen Wertes.

104:2.2

Der Trinitarismus wächst aus dem erfahrungsmäßigen Protest gegen die Unmöglichkeit, sich die Einzigkeit einer entmenschlichten einsamen Gottheit ohne bedeutungsvolle Beziehungen zum Universum vorzustellen. Wenn genügend viel Zeit verstrichen ist, neigt die Philosophie dazu, das Gottheitskonzept des reinen Monotheismus von seinen persönlichen Eigenschaften zu trennen und reduziert dadurch diese Idee eines beziehungslosen Gottes auf den Stand eines panthei­stischen Absoluten. Es ist immer schwierig gewesen, sich die persönliche Natur eines Gottes vorzustellen, der keine persönlichen Beziehungen von gleich zu gleich mit anderen und koordinierten Wesen unterhält. Persönlichkeit in der Gottheit verlangt, dass diese Gottheit in Beziehung mit einer anderen und ebenbürtigen persönlichen Gottheit stehe.

104:2.3

Durch die Anerkennung des Trinitätskonzeptes kann der menschliche Verstand hoffen, etwas von den Wechselbeziehungen von Liebe und Gesetz in den Schöp­fungen von Zeit und Raum zu erfassen. Durch geistigen Glauben gewinnt der Mensch die Erkenntnis der Liebe Gottes, entdeckt aber bald, dass sein geistiger Glaube keinen Einfluss auf die von Gott verfügten Gesetze des materiellen Universums hat. Ungeachtet der Festigkeit, mit der ein Mensch an Gott als an seinen Paradies-Vater glaubt, verlangt sein sich weitender kosmischer Horizont ebenfalls, dass er die Realität der Paradies-Gottheit als universales Gesetz anerkenne, dass er die Souveränität der Paradies-Trinität anerkenne, die sich vom Paradies nach außen erstreckt und auch die sich entwickelnden Lokaluniversen der Schöpfersöhne und Schöpferischen Töchter ebendieser drei ewigen Personen überschattet, deren Gottheitsvereinigung die Tatsache und Realität und ewige Unteilbarkeit der Paradies-Trinität ist.

104:2.4

Und diese selbe Paradies-Trinität ist eine reale Wesenheit – keine Persönlichkeit, aber nichtsdestoweniger eine wahre und absolute Realität; keine Persönlichkeit, aber nichtsdestoweniger vereinbar mit koexistenten Persönlichkeiten – den Persönlichkeiten des Vaters, des Sohnes und des Geistes. Die Trinität ist eine die Summe ihrer Mitglieder weit übersteigende Gottheitsrealität, Ausfluss der Vereinigung der drei Paradies-Gottheiten. Die Eigenschaften, Charakteristika und Funktionen der Trinität sind nicht einfach die Summe der Attribute der drei Paradies-Gottheiten; die Funktionen der Trinität sind etwas Einzigartiges, Originales, etwas, das sich aus der Analyse der Attribute von Vater, Sohn und Geist nicht zur Gänze voraussagen lässt.

104:2.5

Ein Beispiel: Als der Meister auf Erden weilte, ermahnte er seine Anhänger, dass die Handhabung der Justiz nie ein persönlicher Akt ist; sie ist immer eine Gruppen funktion. Ebenso wenig halten die Götter als Personen Gericht. Aber sie üben diese Funktion als kollektives Ganzes, als die Paradies-Trinität, aus.

104:2.6

Das Erfassen des Konzeptes der Verbindung von Vater, Sohn und Geist in der Trinität bereitet den menschlichen Verstand darauf vor, mit bestimmten anderen Dreierbeziehungen bekannt gemacht zu werden. Das Konzept der Paradies-Trinität mag theologische Vernunft vollkommen zufrieden stellen, aber philosophische und kosmologische Vernunft verlangen die Anerkennung der anderen dreieinigen Verbindungen des Ersten Zentralen Ursprungs, jener Triunitäten, in denen der Unendliche in verschiedenen nichtväterlichen Eigenschaften universaler Manifestation wirkt – es sind die Beziehungen des Gottes der Kraft, Energie, Macht, Verursachung, Reaktion, Potentialität, Verwirklichung, Gravitation, Spannung, der Urmuster, der Prinzipien und der Einheit.

3. Trinitäten und Triunitäten

104:3.1

Während die Menschheit manchmal nach einem Verständnis der Trinität der drei Personen der Gottheit gestrebt hat, verlangt Folgerichtigkeit außerdem, dass der menschliche Intellekt erkenne, dass es unter allen sieben Absoluten bestimmte Beziehungen gibt. Aber alles, was für die Paradies-Trinität gilt, trifft nicht notwendigerweise auf eine Triunität zu, denn eine Triunität ist etwas anderes als eine Trinität. In Bezug auf bestimmte Funktionsweisen kann eine Triunität mit einer Trinität verglichen werden, aber ihrer Natur nach gibt es keinerlei Übereinstimmung mit einer solchen.

104:3.2

Der sterbliche Mensch durchläuft auf Urantia ein großes Zeitalter sich erweiternder Horizonte und wachsender Konzepte, und seine kosmische Philosophie muss sich beschleunigt entwickeln, wenn sie mit der Expansion des intellektuellen Feldes menschlichen Denkens Schritt halten will. Während das kosmische Bewusstsein des sterblichen Menschen zunimmt, erkennt er das wechselseitige Abhängigkeitsverhältnis von all dem, was er in seiner materiellen Wissenschaft, intellektuellen Philosophie und geistigen Schau findet. Bei all seinem Glauben an die Einheit des Kosmos nimmt der Mensch doch die Andersartigkeit aller Existenz wahr. Trotz all seiner Ideen über die Unveränderlichkeit der Gottheit stellt der Mensch fest, dass er in einem Universum ständigen Wechsels und erfahrungsmäßigen Wachstums lebt. Ungeachtet seiner Erkenntnis, dass die geistigen Werte fortleben werden, muss der Mensch mit der Mathematik und Vormathematik von Kraft, Energie und Macht rechnen.

104:3.3

Irgendwie muss die ewige Überfülle der Unendlichkeit versöhnt werden mit dem Wachstum der sich in der Zeit entwickelnden Universen und mit der Unfertigkeit ihrer erfahrungsmäßigen Bewohner. Auf irgendeine Weise muss die Vorstellung von totaler Unendlichkeit so segmentiert und charakterisiert werden, dass menschlicher Intellekt und morontielle Seele ein solches Konzept endlichen Wertes und vergeistigender Bedeutung erfassen können.

104:3.4

Während die Vernunft eine monotheistische Einheit der kosmischen Realität verlangt, erhebt die endliche Erfahrung das Postulat von mehreren Absoluten und ihrer Koordination in kosmischen Beziehungen. Ohne koordinierte Existenzen gibt es keine Möglichkeit für das Erscheinen der Verschiedenheit absoluter Beziehungen, keine Aussicht auf ein Wirken von Differentialen, Variabeln, Modifikatoren, Dämp­fern, Bedingern oder Abschwächern.

104:3.5

In diesen Schriften ist die totale Realität (Unendlichkeit) so dargestellt worden, wie sie in den sieben Absoluten existiert:

104:3.6

1. Der Universale Vater.

104:3.7

2. Der Ewige Sohn.

104:3.8

3. Der Unendliche Geist.

104:3.9

4. Die Paradies-Insel.

104:3.10

5. Das Gottheit-Absolute.

104:3.11

6. Das Universale Absolute.

104:3.12

7. Das Eigenschaftslose Absolute.

104:3.13

Der Erste Zentrale Ursprung, welcher der Vater des Ewigen Sohnes ist, ist auch das Urmuster der Paradies-Insel. Er ist uneingeschränkte Persönlichkeit im Sohn, aber potentielle Persönlichkeit im Gottheits-Absoluten. Der Vater ist offenbarte Energie in Paradies-Havona und gleichzeitig verborgene Energie im Eigenschaftslosen Absoluten. Der Unendliche erscheint ewig in den unaufhörlichen Akten des Mit-Vollziehers, während er ohne Ende in den kompensierenden, aber verhüllten Aktivitäten des Universalen Absoluten wirkt. So steht der Vater mit den sechs koordinierten Absoluten in Verbindung, und so umfassen alle sieben den Kreis der Unendlichkeit in den nie endenden Zyklen der Ewigkeit.

104:3.14

Es will scheinen, als sei die Triunität absoluter Beziehungen unvermeidlich. Auf absoluten wie auf allen anderen Ebenen sucht Persönlichkeit sich mit anderen Persönlichkeiten zu verbinden. Und die Verbindung der drei Paradies-­Persönlichkeiten verewigt die erste Triunität, die Vereinigung der Persön­lichkeiten des Vaters, des Sohnes und des Geistes. Denn wenn diese drei Personen sich als Personen zu gemeinsamem Wirken zusammentun, bilden sie dadurch eine Triunität funktioneller Einheit, nicht eine Trinität – eine organische Wesenheit – aber nichtsdestoweniger eine Triunität, eine dreifache funktionelle zusammengesetzte Einstimmigkeit.

104:3.15

Die Paradies-Trinität ist keine Triunität; sie ist keine funktionelle Einstimmigkeit; sie ist vielmehr ungeteilte und unteilbare Gottheit. Der Vater, der Sohn und der Geist können (als Personen) eine Beziehung zu der Paradies-Trinität unterhalten, denn die Trinität ist ihre ungeteilte Gottheit. Vater, Sohn und Geist unterhalten keine derartige Beziehung zu der ersten Triunität, denn diese ist ihre funktionelle Vereinigung als drei Personen. Nur als Trinität – als ungeteilte Gottheit – unterhalten sie kollektiv eine äußere Verbindung zu der aus ihren Personen zusammengesetzten Triunität.

104:3.16

Die Paradies-Trinität nimmt also unter den absoluten Beziehungen eine einzigartige Stellung ein; es gibt mehrere existentielle Triunitäten, aber nur eine existentielle Trinität. Eine Triunität ist nicht eine Wesenheit. Sie ist funktionell, nicht organisch. Ihre Mitglieder verhalten sich partnerschaftlich, nicht korporativ. Die Komponenten von Triunitäten können Wesenheiten sein, aber die Triunität als solche ist ein Zusammenschluss.

104:3.17

Es gibt indessen einen Punkt, worin Trinität und Triunität vergleichbar sind: Beide treten in Funktionen in Erscheinung, die etwas anderes sind als die wahrnehmbare Summe der Attribute ihrer Mitglieder. Aber während sie sich so vom funktionellen Standpunkt aus vergleichen lassen, zeigen sie im Übrigen keine kategoriale Verwandtschaft. Sie verhalten sich in etwa zueinander, wie Funktion sich zu Struktur verhält. Aber die Funktion des triunitären Zusammenschlusses ist nicht die Funktion der Trinitätsstruktur oder -wesenheit.

104:3.18

Die Triunitäten sind nichtsdestoweniger real; sie sind sehr real. In ihnen wird die gesamte Realität funktionstüchtig, und durch sie übt der Universale Vater eine unmittelbare und persönliche Kontrolle über die Hauptfunktionen der Unendlichkeit aus.

4. Die sieben Triunitäten

104:4.1

Vor dem Versuch einer Beschreibung der sieben Triunitäten möchten wir die Aufmerksamkeit auf die Tatsache lenken, dass der Universale Vater das Hauptmitglied einer jeden ist. Er ist, war und wird ewig sein: der Erste Universale Vater-Ursprung, Absolutes Zentrum, Allererste Ursache, Universaler Überwacher, Schrankenloser Energiespender, Ursprüngliche Einheit, Uneinge­schränkter Aufrechterhalter, Erste Person der Gottheit, Allererstes Kosmisches Urmuster und Essenz der Unendlichkeit. Der Universale Vater ist die persönliche Ursache der Absoluten; er ist das Absolute der Absoluten.

104:4.2

Wesen und Bedeutung der sieben Triunitäten können folgendermaßen skizziert werden:

104:4.3

Die erste Triunität – die persönlich-planende Triunität. Das ist die Gruppierung der drei Persönlichkeiten der Gottheit:

104:4.4

1. Der Universale Vater.

104:4.5

2. Der Ewige Sohn.

104:4.6

3. Der Unendliche Geist.

104:4.7

Das ist die dreifaltige Vereinigung von Liebe, Barmherzigkeit und Dienst – der planende und persönliche Zusammenschluss der drei ewigen Paradies-Persönlichkeiten. Das ist der göttlich brüderliche, von Liebe zu den Geschöpfen erfüllte, väterlich handelnde und den Aufstieg fördernde Zusammenschluss. Die göttlichen Persönlichkeiten dieser ersten Triunität sind Persönlichkeit austeilende, Geist schenkende und mit Verstand begabende Götter.

104:4.8

Dies ist die Triunität unendlichen Wollens; sie handelt in der ganzen ewigen Gegenwart und im gesamten vergangen-gegenwärtig-zukünftigen Fluss der Zeit. Diese Verbindung liefert die Unendlichkeit des Willens und stellt die Mechanismen bereit, durch welche die persönliche Gottheit sich selber den Geschöpfen des sich entwickelnden Kosmos offenbart.

104:4.9

Die zweite Triunität – die Macht-Urmuster-Triunität. Handle es sich um ein winziges Ultimaton, ein strahlendes Gestirn, einen wirbelnden Nebel oder sogar um das Zentraluniversum oder die Superuniversen, immer entstammt das physische Urmu­ster – die kosmische Konfiguration – jeder materiellen Organisation, von der kleinsten bis zur größten, der Funktion dieser Triunität. In dieser Verbindung gruppiert sind:

104:4.10

1. Der Vater-Sohn.

104:4.11

2. Die Paradies-Insel.

104:4.12

3. Der Mit-Vollzieher.

104:4.13

Die Energie wird durch die kosmischen Wirkkräfte des Dritten Zentralen Ursprungs organisiert; die Energie ist dem Urmuster des Paradieses, der absoluten Materialisierung, nachgestaltet; aber hinter all diesem unaufhörlichen Schaffen steht die Gegenwart von Vater-und-Sohn, deren Vereinigung das Paradies-Urmuster zum ersten Mal aktivierte, als Havona zugleich mit der Geburt des Unendlichen Geistes, des Mit-Vollziehers, erschien.

104:4.14

In ihrer religiösen Erfahrung treten die Geschöpfe in Kontakt mit Gott, der Liebe ist, aber solch eine geistige Schau darf nie die intelligente Anerkennung der universalen Tatsache des Urmusters, des Paradieses, verdunkeln. Die Paradies-Persönlichkeiten gewinnen die freiwillige Anbetung aller Geschöpfe durch die zwingende Macht göttlicher Liebe und führen all diese aus dem Geiste geborenen Persönlichkeiten zu den himmlischen Wonnen endlosen Dienens als Finalisten-Söhne Gottes. Die zweite Triunität ist der Architekt der Bühne des Raumes, auf der sich dieses Geschehen entfaltet; sie bestimmt die Urmuster kosmischer Konfiguration.

104:4.15

Wenn die Liebe die Göttlichkeit der ersten Triunität charakterisiert, so ist das Urmuster die galaktische Erscheinungsform der zweiten Triunität. Was die erste Triunität für die sich entwickelnden Persönlichkeiten ist, ist die zweite Triunität für die sich entwickelnden Universen. Urmuster und Persönlichkeit sind zwei der großen Manifestationen der Akte des Ersten Zentralen Ursprungs; und wie schwer verständlich es auch sein mag, so ist es trotzdem wahr, dass das Macht-Urmuster und die liebende Person ein und dieselbe universale Realität sind; die Paradies-Insel und der Ewige Sohn sind koordinierte, aber gegensätzliche Offenbarungen der unergründlichen Natur der Universalen Vater-Kraft.

104:4.16

Die dritte Triunität – die Triunität geistiger Entwicklung. Die Gesamtheit geistiger Manifestationen beginnt und endet in dieser Verbindung, welche bilden:

104:4.17

1. Der Universale Vater.

104:4.18

2. Der Sohn-Geist.

104:4.19

3. Das Gottheit-Absolute.

104:4.20

Von geistiger Potenz bis zum Geist des Paradieses erfährt alles Geistige seine Verwirklichung in dieser Dreierverbindung aus der reinen Geistessenz des Vaters, den aktiven Geistwerten von Sohn-und-Geist und den unbegrenzten Geistpotentialen des Gottheits-Absoluten. Die existentiellen Geistwerte haben ihre allererste Entstehung, ihre vollständige Manifestation und finale Bestimmung in dieser Triunität.

104:4.21

Der Vater existiert vor dem Geist; der Sohn-Geist funktioniert als aktiver schöp­ferischer Geist; das Gottheit-Absolute existiert als alles umfassender Geist, sogar jenseits des Geistes.

104:4.22

Die vierte Triunität – die Triunität der Unendlichkeit der Energie. In dieser Triunität verewigen sich die Anfänge und Enden aller energetischen Realität von der Raumpotenz bis zur Monota. Folgende Mitglieder bilden diese Gruppe:

104:4.23

1. Der Vater-Geist.

104:4.24

2. Die Paradies-Insel.

104:4.25

3. Das Eigenschaftslose Absolute.

104:4.26

Das Paradies ist das Zentrum der Kraft-Energie-Aktivierung des Kosmos – es ist der Ort, an dem sich der Erste Zentrale Ursprung befindet, es ist der kosmische Brennpunkt des Eigenschaftslosen Absoluten und die Quelle aller Energie. In dieser Triunität existentiell anwesend ist das Energiepotential des Kosmos-Unendlichen, wovon das Große Universum und das Alluniversum nur teilweise Manifestationen sind.

104:4.27

Die vierte Triunität hält die fundamentalen Einheiten kosmischer Energie unter absoluter Kontrolle und entlässt sie aus dem Griff des Eigenschaftslosen Absoluten genau in dem Maße, in dem in den erfahrungsmäßigen Gottheiten die subabsolute Fähigkeit zur Kontrolle und Stabilisierung des sich verwandelnden Kosmos erscheint.

104:4.28

Diese Triunität ist Kraft und Energie. Die endlosen Möglichkeiten des Eigenschaftslosen Absoluten sind um das Absolute der Paradies-Insel zentriert, aus der die unvorstellbar gewaltigen Bewegungen der sonst statischen Ruhe des Eigenschaftslosen hervorgehen. Und das endlos pochende, materielle Paradies-Herz des unendlichen Kosmos schlägt in Harmonie mit dem unergründlichen Urmuster und unerforschlichen Plan des Unendlichen Energiespenders, des Ersten Zentralen Ursprungs.

104:4.29

Die fünfte Triunität – die Triunität reaktiver Unendlichkeit. Diese Verbindung bilden:

104:4.30

1. Der Universale Vater.

104:4.31

2. Das Universale Absolute.

104:4.32

3. Das Eigenschaftslose Absolute.

104:4.33

Diese Gruppierung ermöglicht die Verewigung der funktionellen unendlichen Verwirklichung alles dessen, was in den Nicht-Gottheit-Realitätsbereichen realisierbar ist. Diese Triunität beweist eine unbegrenzte Reaktionsfähigkeit auf die willentlichen, verursachenden, spannungsmäßigen und urmusterhaften Handlungen und Gegenwarten der anderen Triunitäten.

104:4.34

Die sechste Triunität – die Triunität kosmisch verbundener Gottheit. Diese Gruppierung bilden:

104:4.35

1. Der Universale Vater.

104:4.36

2. Das Gottheit-Absolute.

104:4.37

3. Das Universale Absolute.

104:4.38

Das ist der Zusammenschluss der Gottheit-im-Kosmos, die Immanenz der Gottheit in Verbindung mit der Transzendenz der Gottheit. Es ist das letzte Ausgreifen der Göttlichkeit auf den Ebenen der Unendlichkeit nach jenen Realitäten, die außerhalb der Bereiche der deifizierten Realität liegen.

104:4.39

Die siebente Triunität – die Triunität unendlicher Einheit. Dies ist die Einheit der Unendlichkeit, die sich in Zeit und Ewigkeit funktionell manifestiert, die koordinierte Einigung von Verwirklichtem und Potentiellem. Dieser Gruppe gehören an:

104:4.40

1. Der Universale Vater.

104:4.41

2. Der Mit-Vollzieher.

104:4.42

3. Das Universale Absolute.

104:4.43

Der Mit-Vollzieher integriert universell die verschiedenen funktionellen Aspekte aller verwirklichten Realität auf allen Manifestationsebenen, von den endlichen über die transzendenten bis hin zu den absoluten. Das Universale Absolute gleicht die Gefälle vollkommen aus, die in der Natur der verschiedenen Aspekte aller unvollständigen Realität liegen, von den unbegrenzten Potentialitäten aktiv-wollender und verursachender Gottheitsrealität bis zu den unbeschränkten Möglichkeiten statischer, reaktiver Nicht-Gottheits-Realität in den unbegreiflichen Bereichen des Eigenschaftslosen Absoluten.

104:4.44

In ihrer Funktionsweise in dieser Triunität sprechen der Mit-Vollzieher und das Universale Absolute ebenso sehr auf Gottheit- wie auf Nicht-Gottheit-Gegenwarten an, was auch für den Ersten Zentralen Ursprung zutrifft, der in dieser Verbindung konzeptuell praktisch nicht vom ICH BIN zu unterscheiden ist.

104:4.45

Diese Näherungen genügen, um das Konzept der Triunitäten zu erhellen. Da ihr die ultime Ebene der Triunitäten nicht kennt, könnt ihr deren erste sieben nicht vollständig begreifen. Obwohl es uns nicht weise erscheint, eine weitere Vertiefung zu versuchen, können wir doch erklären, dass es fünfzehn Dreierverbindungen des Ersten Zentralen Ursprungs gibt, von denen in diesen Schriften acht nicht offenbart werden. Diese nicht offenbarten Verbindungen beziehen sich auf Realitäten, Verwirklichungen und Potentialitäten, die jenseits der erfahrungsmäßigen Ebene der Suprematie liegen.

104:4.46

Die Triunitäten sind die funktionelle Unruh der Unendlichkeit, die Einigung der einmaligen Natur der Sieben Absoluten der Unendlichkeit. Es ist die existentielle Gegenwart der Triunitäten, die das Vater-ICH-BIN befähigt, trotz der Diversifizierung der Unendlichkeit in sieben Absolute die funktionelle Einheit der Unendlichkeit zu erfahren. Der Erste Zentrale Ursprung ist das einigende Mitglied aller Triunitäten; in ihm nehmen alle Dinge ihren eigenschaftslosen Anfang, haben ihre ewige Existenz und finden ihre unendliche Bestimmung – „in ihm bestehen alle Dinge“.

104:4.47

Obwohl diese Verbindungen die Unendlichkeit des Vater-ICH-BIN nicht vermehren können, scheinen sie die unterunendlichen und unterabsoluten Manifestationen seiner Realität möglich zu machen. Die sieben Triunitäten vervielfachen die Vielseitigkeit, verewigen neue Tiefen, vergöttlichen neue Werte, eröffnen neue Potentialitäten, offenbaren neue Bedeutungen; und all diese verschiedenartigen Manifestationen in Zeit und Raum und im ewigen Kosmos haben ihre Existenz in der hypothetischen Bewegungslosigkeit der ursprünglichen Unendlichkeit des ICH BIN.

5. Trioditäten

104:5.1

Es gibt bestimmte andere Dreierverbindungen, an deren Aufbau der Vater nicht beteiligt ist, aber es handelt sich dabei nicht um wahre Triunitäten, und man unterscheidet sie stets von den Vater-Triunitäten. Man nennt sie abwechselnd assoziierte Triunitäten, koordinierte Triunitäten oder Trioditäten. Sie sind eine Folgeerscheinung der Existenz der Triunitäten. Zwei dieser Verbindungen setzen sich wie folgt zusammen:

104:5.2

Die Triodität des Verwirklichten. Diese Triodität besteht aus den Wechselbeziehungen der drei Absoluten des Verwirklichten:

104:5.3

1. Der Ewige Sohn.

104:5.4

2. Die Paradies-Insel.

104:5.5

3. Der Mit-Vollzieher.

104:5.6

Der Ewige Sohn ist das Absolute geistiger Realität, die absolute Persönlichkeit. Die Paradies-Insel ist das Absolute kosmischer Realität, das absolute Urmuster. Der Mit-Vollzieher ist das Absolute mentaler Realität, der Beigeordnete absoluter geistiger Realität und die existentielle Gottheitssynthese von Persönlichkeit und Macht. Diese Dreierverbindung schafft die Koordination der Gesamtheit verwirklichter Realität – geistiger, kosmischer oder mentaler. Sie ist unbeschränkt im Verwirklichen.

104:5.7

Die Triodität der Potentialität. Diese Triodität besteht aus der Verbindung der drei Absoluten der Potentialität:

104:5.8

1. Das Gottheit-Absolute.

104:5.9

2. Das Universale Absolute.

104:5.10

3. Das Eigenschaftslose Absolute.

104:5.11

So hängen die Unendlichkeitsreservoire aller latenten Energierealität – geistiger, mentaler oder kosmischer – zusammen. Diese Verbindung ergibt die Integration aller latenten Energierealität. Sie ist unendlich in ihrem Potential.

104:5.12

So wie die Triunitäten in erster Linie die Aufgabe haben, die Unendlichkeit funktionell zu einigen, sind die Trioditäten am kosmischen Erscheinen der erfahrungsmäßigen Gottheiten beteiligt. Mit den erfahrungsmäßigen Gottheiten – der Supremen, Ultimen und Absoluten Gottheit – haben die Triunitäten nur indirekt, die Trioditäten hingegen sehr direkt zu tun. Sie treten in der erwachenden Macht-Persönlichkeitssynthese des Supremen Wesens in Erscheinung. Und für die zeitlichen Geschöpfe des Raums ist das Supreme Wesen eine Offenbarung der Einheit des ICH BIN.

104:5.13

[Dargeboten von einem Melchisedek von Nebadon.]


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Das Urantia Buch

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